Als ich angefragt wurde, einen Bericht zu verfassen für das Krebsforum unter dem speziellen Aspekt der Augendiagnose, musste ich erst einmal schlucken. Das ist tatsächlich ein „heißes Eisen“. Nach meinen Recherchen gibt es in den letzten 10 Jahren nur wenige Artikel in dieser Zeitschrift, die diese Thematik behandeln bzw. erwähnen. Die Frage, ob Krebs in der Iris zu sehen ist bzw. ob es typische Krebszeichen gibt, stellt sich immer wieder. 

Auch Patienten fragen in der Praxis, ob ich „da was sehen kann, weil die Mutter oder der Vater… Krebs haben“. Nach meinen bisherigen Erfahrungen bzw. auch denen geschätzter Kollegen gibt es zwar Hinweiszeichen auf eine Tendenz zur bösartigen Entartung, aber gerade bei den genotypischen und konstitutionellen Zeichen können wir nie mit Sicherheit sagen, ob sich das Merkmal im Lauf des Lebens realisiert, und falls es das tut, zu welchem Zeitpunkt. Auch der Begriff „Krebszeichen“ muss hinterfragt werden. Kann ein Zeichen in der Iris in realistischen Zusammenhang gebracht werden mit dem komplexen Geschehen einer Tumorerkrankung? Wo ist der Auslöser für den Tumor? Ist es das Organ selbst, das in seiner Anlage schwach ist? Ist es das Immunsystem? Ist es die Übersäuerung? Wie zeigen sich dann systemische Tumorerkrankungen im Auge?