Gab es früher Jodthermen sowohl zur Regeneration als auch für gesteigertes Wohlbefinden in verschiedenen Teilen der Welt und Diskussionen um Jodierung von Trinkwasser, begegnet man diesem Spurenelement heutzutage eher unter dem Gesichtspunkt der Überjodierung und Jodrestriktion. Steigt man jedoch tiefer in diese Thematik ein, stellt man fest, dass die Bewertung und der Umgang mit Jod in der täglichen Praxis weit von der Datenlage zum Jod abweicht.

Auch wenn ich kein Freund von Trinkwasser-Jodierung bin, sollte folgende Aussage im Doccheck-Flexikon nachdenklich stimmen: „Die Vergrößerung der Schilddrüse, medizinisch Struma („Kropf“), könnte durch eine adäquate Jodversorgung der Bevölkerung vermieden werden. In Ländern, die eine Trinkwasserjodierung durchführen, wie die Schweiz und Schweden, gibt es eine geringere Inzidenz an Schilddrüsenerkrankungen. Dabei sind vom Jodmangel insbesondere Frauen betroffen.“ (1)

Wenn wir von Unterversorgung oder Überjodierung sprechen, dann sollte man sich zunächst einmal ganz nüchtern die Zahlen ansehen. Das Argument, dass man durch die Jodierung des Speisesalzes alle Menschen per se überjodiert, erscheint sehr fraglich, da man 10 Gramm Jodsalz pro Tag zu sich nehmen müsste, um nur die empfohlenen 200 Mikrogramm zuzuführen. Bedenkt man weiterhin, dass die DGE empfiehlt, auf Dauer täglich nicht über 500 Mikrogramm (WHO sogar bis 1 000 Mikrogramm) zuzuführen, fragt man sich, wie eine Überjodierung mit Jodsalz oder jodierten Speisemitteln, wie Milchprodukte etc., praktisch möglich sein soll.