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Naturheilpraxis 06/2020

Interaktionen von Gerinnungshemmern und Heilkräutern vermeiden

Heilpflanzen werden manchmal etwas zu sorglos mit Medikamenten kombiniert. Gerade bei Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen, sollte eine Beeinflussung der gewünschten Arzneimittelwirkung vermieden werden.

Ein Beitrag von Sabine Ritter
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Eine ungeeignete Kombination von Arzneistoffen und Heilkräutern kann die Wirkung von Medikamenten verändern. Ursachen hierfür können Veränderungen ihrer Distribution, Liberation, Resorption, Metabolisierung oder Elimination, aber auch Interaktionen durch einander beeinflussende Wirkungsmechanismen sein. Beruhen Interaktionen auf einer Modifikation von Verteilung, Freisetzung, Aufnahme, Umwandlung oder Ausscheidung, handelt es sich um pharmakokinetische Wechselwirkungen. Überlagern sich Wirkungsmechanismen, spricht man von einer pharmakodynamischen Interaktion. Da Antikoagulanzien Wirkstoffe mit einer geringen therapeutischen Breite sind, sollte man die möglichen Risiken kennen, damit man sie vermeiden kann.

Arzneipflanzen und ihr Einfluss auf den Metabolismus von Gerinnungshemmern

Das wohl bekannteste Beispiel für mögliche pharmakokinetische Interaktionen ist Johanniskraut (Hyperici herba), das den Abbau von Estrogenen und Gestagenen beschleunigen und auf diese Weise beispielsweise die kontrazeptive Wirkung der Antibabypille mindern kann. Ein ähnliches Potenzial haben Süßholz (Glycyrrhizae radix) in hoher Dosierung sowie Ginkgo (Ginkgo folium) und Salbei (Salviae folium). Diese Heilpflanzen induzieren mit dem Enzym CYP3A4 einen Vertreter der Cytochrom-P-Enzymfamilie, der an der Metabolisierung vieler Substanzen beteiligt ist. Werden die CYP3A4-Induktoren zusammen mit Wirkstoffen verabreicht, die Substrate des Enzyms sind, werden diese Arzneistoffe schneller abgebaut, und ihre Bioverfügbarkeit sinkt (1, 2).

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Naturheilpraxis 06/2020

Erschienen am 02. Juni 2020