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Bislang war über die dynamischen Prozesse im Gehirn bei akutem Stress wenig bekannt. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie (MPI) und der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Tübingen haben nun in einer Studie erstmals den gesamten Zeitraum einer belastenden Situation beobachtet – indem sie die Probanden unter Zeitdruck knifflige Rechenaufgaben lösen ließen. Neben Aufnahmen im Magnetresonanztomographen wurden das Stresshormon Cortisol und die Herzfrequenz gemessen. „Unsere Studie zeigt nicht nur, wo Veränderungen auftreten, sondern wie verschiedene Hirnregionen zusammenspielen und wie sich ihre Kommunikation im Lauf der Situation verändert“, erläutert Erstautorin Anne Kühnel vom MPI. Die dynamische Reaktion der Netzwerke im Gehirn der Studienteilnehmer fiel unterschiedlich aus und ließ die Wissenschaftler Rückschlüsse ziehen, wie anfällig eine Person für eine negative Grundstimmung war und wie sich dadurch ihr Risiko für eine psychische Erkrankung erhöhte. „In der Zukunft könnten wir unsere dynamischen Modelle der Hirnantwort einsetzen, um beispielsweise die gezielte Wirkung von Medikamenten zu untersuchen, die die Stressantwort bei Personen mit einem hohen Risiko verbessern könnten“, erläutert Nils Kroemer, der die Arbeitsgruppe Computational Psychiatry in Tübingen leitet, das Potenzial der Studie.

Quelle

Bionity. n.rpv.media/4mz

Dieser Artikel ist erschienen in

Naturheilpraxis 04/2022

Erschienen am 01. April 2022