Schwerpunkt
Naturheilpraxis 03/2020

Huflattich damals und heute

Verwendung bei Hildegard von Bingen und heutige Nutzung

Auch wenn die Phytotherapie die älteste und bestdokumentierte Therapieform der Humanmedizin darstellt, lässt sich daraus nicht unbedingt ableiten, dass eine ständige Übereinstimmung der Indikationslage besteht – noch nicht einmal bei Drogen, die über Jahrtausende hinweg kontinuierlich eingesetzt werden. Dies zeigt sich unter anderem am vor einigen Jahrzehnten in Verruf geratenen Huflattich (Tussilago farfara) und dessen traditioneller Verwendung, z. B. bei Hildegard von Bingen.

Ein Beitrag von Bernd Hertling
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Wer war Hildegard von Bingen?

Die Lebensdaten der Äbtissin Hildegard von Bingen (1098–1179) fallen in die Epoche des Hochmittelalters, eine Zeit, die mit wirtschaftlichem Wohlstand und einer kulturellen Blütezeit in Mitteleuropa einherging, was nicht zuletzt durch eine milde Wärmeperiode bedingt war. Vor allem in den Klöstern benediktinischer Prägung arbeitete man an der Bewahrung und Tradierung alten, traditionellen Wissens. Dazu zählten auch die antiken Quellen der Medizin. Unser Wissen über die Medizin dieser Epoche verdanken wir vor allem den eifrigen Kopisten jener Zeit, in der die Klöster auch Zentren der medizinischen Versorgung der umliegenden Dorfgemeinschaften waren. Daher spricht man von der mittelalterlichen Medizin auch als Klostermedizin – sie war eine Medizin, die im Kloster praktiziert wurde. Und Hildegard von Bingen darf wohl als die bekannteste Vertreterin der Klostermedizin bezeichnet werden. Der Begriff Hildegardmedizinstammt jedoch aus dem 20. Jahrhundert und ist wohl auf einen findigen Marketingvertreter zurückzuführen. Zu Hildegard von Bingens Lebzeiten gab es diesen Begriff nicht. Die Erfinder der Hildegardmedizin griffen zudem bei der Bezeichnung „Heilige Hildegard“ etwas vor, denn obwohl sie landläufig schon seit dem Mittelalter als heilig bezeichnet wurde, wurde Hildegard von Bingen erst im Oktober 2012 durch Papst Benedikt XVI offiziell als Heilige der Katholischen Kirche anerkannt, die ihr Namensfest alljährlich am 17. September begeht.

Hildegard entstammte einer Adelsfamilie, die das kränkliche und exaltierte Kind schon im Vorschulalter ins Kloster gab. Sie war von frühester Kindheit an Visionärin und zeitlebens körperlich leidend, sodass sie nur selten aufrecht und gerade gehen konnte. Neben ihren wissenschaftlichen Werken „Physika“ und „Sci vias“ (Wisse die Wege), verfasste sie auch geistliche Lieder, deren Melodien sie selbst komponierte und die bis heute erhalten sind. Darüber hinaus zeichnete sich aus als Politikerin, gründete ein eigenes Kloster, stand in Briefwechsel mit Kaisern und Päpsten und unterhielt eine emsige Korrespondenz mit dem Heiligen Bernhard von Clairvaux, dem Gründer des Zisterzienserordens und Mitbegründer des Ordens der Tempelherren in Jerusalem.

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Naturheilpraxis 03/2020

Erschienen am 02. März 2020