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Naturheilpraxis 04/2021

Herzglykoside in der Naturheilpraxis?

Sprach man früher von der "Digitalisierung" eines Patienten, wurde damit klar zum Ausdruck gebracht, dass er wohl an einer mittleren bis schweren Insuffizienz des Herzmuskels litt und mit hochwirksamen, synthetisch hergestellten, ursprünglich pflanzlichen Substanzen – Digitalisglykosiden – behandelt wurde. Doch nicht nur das Wort hat einen Wandel erfahren.

Ein Beitrag von Bernd Hertling
Lesezeit: ca. 7 Minuten

Herzglykoside oder Cardenolide stellen insofern eine Besonderheit im Rahmen der glykosidisch gebundenen Wirksubstanzen dar, als sie ihre Nomenklatur nach der Wirksamkeit und nicht, wie sonst üblich, nach dem chemischen Aufbau der Substanzen erhalten. In diesem Rahmen kennen wir zum Beispiel Saponinglykoside, Phenolglykoside, Farbglykoside und einige andere.

Glykoside

Doch zunächst einmal: Was sind Glykoside? Sie sind ätherartige, dennoch wasserlösliche Verbindungen, die aus einem Zuckermolekül (Mono-, Di-, oder Polysacchariden) und bestimmten organischen Verbindungen, wie Alkoholen, Phenolen, Aldehyden, Steroiden etc. bestehen, die in diesem Zusammenhang Genin oder Aglucon genannt werden. Das „A“ kann man hier als Alpha privativum der Verneinung lesen. Das heißt, diese Anhängsel sind nicht zuckerhaltig. In der Regel überdecken diese dann auch mit ihrem Geschmack den Zucker, was bei den Herzglykosiden ganz besonders eindrucksvoll gelingt, deren ausgesprochen bitterer Geschmack von der unbedarften Einnahme abhält. Auch viele Riechstoffe, Farbstoffe, Gerbstoffe und dergleichen liegen glykosidisch gebunden vor.

Die meisten sogenannten Wirkstoffe der Phytotherapie sind im Rahmen der Pflanzenphysiologie nicht lebensnotwendig, zum Teil sogar Abfallprodukte des Pflanzenstoffwechsels. Doch dienen sie dann in aller Regel etwa zur Abwehr von Fressfeinden, beispielsweise durch Bitterstoffe und giftige Alkaloide, oder es lassen sich mit ihrer Hilfe Bestäuber anlocken und der Standort der Pflanze kann gegen andrängende Rivalen behauptet werden, wie man am Beispiel der ätherischen Öle beobachten kann.

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Naturheilpraxis 04/2021

Erschienen am 01. April 2021