Sprach man früher von der „Digitalisierung“ eines Patienten, wurde damit klar zum Ausdruck gebracht, dass er wohl an einer mittleren bis schweren Insuffizienz des Herzmuskels litt und mit hochwirksamen, synthetisch hergestellten, ursprünglich pflanzlichen Substanzen – Digitalisglykosiden – behandelt wurde. Doch nicht nur das Wort hat einen Wandel erfahren.

Herzglykoside oder Cardenolide stellen insofern eine Besonderheit im Rahmen der glykosidisch gebundenen Wirksubstanzen dar, als sie ihre Nomenklatur nach der Wirksamkeit und nicht, wie sonst üblich, nach dem chemischen Aufbau der Substanzen erhalten. In diesem Rahmen kennen wir zum Beispiel Saponinglykoside, Phenolglykoside, Farbglykoside und einige andere.

Glykoside

Doch zunächst einmal: Was sind Glykoside? Sie sind ätherartige, dennoch wasserlösliche Verbindungen, die aus einem Zuckermolekül (Mono-, Di-, oder Polysacchariden) und bestimmten organischen Verbindungen, wie Alkoholen, Phenolen, Aldehyden, Steroiden etc. bestehen, die in diesem Zusammenhang Genin oder Aglucon genannt werden. Das „A“ kann man hier als Alpha privativum der Verneinung lesen. Das heißt, diese Anhängsel sind nicht zuckerhaltig. In der Regel überdecken diese dann auch mit ihrem Geschmack den Zucker, was bei den Herzglykosiden ganz besonders eindrucksvoll gelingt, deren ausgesprochen bitterer Geschmack von der unbedarften Einnahme abhält. Auch viele Riechstoffe, Farbstoffe, Gerbstoffe und dergleichen liegen glykosidisch gebunden vor.