Schwerpunkt
Naturheilpraxis 03/2020

Helicobacter-pylori-Infektion

Über 50 Prozent der Weltbevölkerung sind mit Helicobacter pylori (Hp) infiziert, der zur Ordnung der Campylobacterales gehört. Eine Hp-Infektion verläuft zwar häufig symptomlos, kann aber auch eine Gastritis sowie Ulzera im Magen und Duodenum hervorrufen. Zudem erkrankt ungefähr ein Prozent der Infizierten an Magenkrebs.

Ein Beitrag von Heike Lück-Knobloch
Lesezeit: ca. 11 Minuten
Jarun Ontakrai / shutterstock.com

1982 entdeckten die Australier Robin Warren und Barry Marshall, dass sich im Magen Bakterien niederlassen können. Die medizinischen Fachkreise reagierten mit Zweifel und Dementi, denn bis zu dem Zeitpunkt hatte die verbindliche Lehrmeinung gegolten, dass sich im sauren Milieu des Magens kein Mikroorganismus vermehren kann. Mittels Urease bildet Hp aus Harnstoff Ammoniak und neutralisiert so die Magensäure in seiner unmittelbaren Umgebung. Für den Nachweis des gramnegativen, spiralig gekrümmten, mikroaerophilen Bakteriums mit dem endständigen Geißelbüschel, das die Magenschleimhaut zwischen den Oberflächenepithelien besiedelt und infiziert, wurde den beiden Australiern erst im Jahre 2005 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen.

Nach dem Karies-Erreger ist Helicobacter pylori (Hp) der häufigste pathogene Keim beim Menschen. Für die meisten ist eine Hp-Infektion jedoch harmlos. Lediglich bei einem von sechs Betroffenen resultiert daraus eine Magenerkrankung wie eine Entzündung, ein Geschwür oder Krebs. Die Übertragung des Keims erfolgt von Mensch zu Mensch. Durch eine bessere Hygiene in den vergangenen Jahrzehnten ist die Infektionsrate gesunken. Momentan lässt sich noch nicht prognostizieren, wer nach einer Hp-Infektion erkrankt und wer nicht. Dabei wäre dies sehr wichtig, da nahezu 90 Prozent der Patienten mit einem Magenkarzinom vorher eine Hp-Infektion hatten (1). Gemäß einer großen bevölkerungsbasierten Kohortenstudie mit 9 949 Probanden, die im Median 14 Jahre lang begleitet wurden, war eine Hp-Infektion mit einer circa dreifach erhöhten Wahrscheinlichkeit assoziiert, an Magenkrebs zu erkranken. Die Infektion erhöhte das Risiko für Tumoren, die nicht im Bereich der Kardia entstehen, auf das Fünffache. Wenn bei einer Hp-Infektion das CagA-Antigen gebildet wurde, war das Risiko für nicht an der Kardia gelegenen Magenkrebs sogar 18-fach erhöht (2). Dagegen reduziert offenbar eine Infektion mit Hp das Risiko für chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED), während andere Helicobacter-Spezies das CED-Risiko erhöhten, so eine Übersichtsarbeit aus Meta-Analysen italienischer, französischer, griechischer und zypriotischer Forscher (3). Wegen der hierzulande geringen Hp-Prävalenz von 20 bis 40 Prozent rät die deutsche Leitlinie Patienten mit Dyspepsie nicht zu einer Testung auf das Bakterium. Die europäische Leitlinie spricht sich dagegen für eine Test-and-treat-Strategie bei nicht untersuchter Dyspepsie aus. Bei einem länger bestehenden Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) empfiehlt die deutsche Leitlinie eine Eradikationsbehandlung. Weitere Indikationen hierfür sind nach dem Maastricht V / Florenz Konsensusreport und der deutschen Leitlinie unter anderem das peptische Ulkus, das MALT-Lymphom des Magens, eine idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP) und eine ungeklärte Eisenmangelanämie. Bei Risikopersonen dient die Eradikation auch als Magenkarzinom-Prophylaxe.