Fachforum
Naturheilpraxis 10/2022

Heilsame Begegnungen mit Pfarrer Kneipps Lieblingen – Teil 2

Von seinen Wanderungen hat Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp eine ganze Apotheke mitgebracht, die nach wie vor segensreiche Wirkung entfalten. Nachdem im 1. Teil dieses Beitrags Angelica, Arnika, Brennnessel, Pfefferminze und Rosmarin vorgestellt wurden, komplettieren Salbei, Schafgarbe, Wacholder, Wermut und Zinnkraut nun die Liste von Kneipps Top 10-Heilkräutern.

Ein Beitrag von Martina Schneider
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Salbei

„Hauptanwendungsgebiete sind die entzündlichen Veränderungen in Mund, Gaumen, Rachen, Zahnfleischblutungen und -eiterungen“, attestiert Kneipp dem Salbei, Heilpflanze des Jahres 1998 und 2003. Er selbst zieht Salvia officinalis auch zur Behandlung von Stoffwechselstörungen wie Gicht, Rheumatismus und Fettsucht heran. „Wer ein Gärtchen beim Hause hat, wird, wenn er es neu anlegt, den Salbeistock nicht vergessen.“

Salbei stammt aus der Familie der Lippenblütler und ist im Mittelmeerraum beheimatet. Es gibt mehr als 900 Arten, wobei die meisten nicht arzneilich, sondern als Gewürz- oder Zierpflanzen genutzt werden.

Salvia officinalis, ein sogenannter Halbstrauch, wächst schnell und kräftig und trägt ab dem späten Frühjahr reichlich Blüten, in deren tiefen Kelchen Bienen viel Nektar finden. Geerntet werden die Blätter bereits, bevor sich die Knospen öffnen. Salvia leitet sich aus dem lateinischen Wort salvus für „gesund“ ab: Schon die Römer wussten um die enorme Heilkraft der Droge, als Heilgewürz in der Küche verwendeten sie Salbei aber nicht. Vermutet wird, dass ihnen die Blätter zu intensiv schmeckten. Karl der Große sah das anders: Er ordnete an, den Halbstrauch großflächig anzubauen. Im 16. Jahrhundert war Salbei nahezu in jedem Haushalt zu finden: Schließlich waren damalige Ärzte felsenfest davon überzeugt, dass der reichliche Dauergenuss der Blätter ewiges Leben garantiere. Nicht überliefert ist, wie viele Mägen rebellierten, die sich weigerten, zu viele Saponine zu verdauen.