Porträt
Naturheilpraxis 11/2020

Grenzgänger und Vermittler zwischen den Welten

Im Sommer 2017 reiste Wolf-Dieter Storl in die Mongolei und nach Sibirien. Seine Erlebnisse hat er im Buch "Wolfsmedizin" (AT Verlag) beschrieben. Über seine Beziehung zu Pflanzen und insbesondere zu Heilpflanzen und natürlich über seine Reise zu den Schamanen der Grassteppe Sibiriens und der Nordmongolei habe ich mit ihm gesprochen.

Ein Gespräch mit Wolf-Dieter Storl
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Wolf-Dieter Storl

Herr Storl, mehrfach habe ich Sie bei Vorträgen gehört. Jedes Mal hatten Sie auf dem Weg zum Vortragssaal noch Pflanzen gepflückt und sich ins Haar gesteckt. Ist das ein Ritual, das Ihnen Kraft für den Vortrag gibt?

Bei Vorträgen, insbesondere aber, wenn ich mich in der lebensfernen elektronischen Welt des Fernsehstudios befinde, trage ich gerne Gundermann im Haar. Das Kräutlein ist immer mit der Erde verbunden, an jedem Knoten kann es Wurzeln treiben. Es hält mich also in Verbindung mit der lebenden Erde.

Sie haben immer wieder betont, dass der Aufenthalt in der freien Natur, insbesondere im Wald, für Sie sehr wichtig ist. Ist das ein Erbe Ihrer sächsischen Herkunft? Wie haben Sie andere Länder, z. B. die USA, in dieser Hinsicht erlebt? Hat die westliche Welt sich von der Natur entfremdet?

Wir kommen aus der Natur, sind Teil der Natur. Als Ethnologe kann ich sagen, dessen sind sich fast alle indigenen Völker bewusst. Pflanzen und Tiere gelten als unsere „Verwandten“ und oft gilt die Erde als unsere Mutter und der Himmel als unser Vater. Die westliche Welt hat die Verwurzelung unserer Spezies praktisch vergessen, sie träumt maschinelle Träume – die Erde als „Raumschiff“; Geo-Engineering, Cyborgs usw. – und hat sich dabei in lebensferne, technokratische Abstraktionen verspult. Diese Entfremdung schadet der Natur, führt zu einem ökologischen Desaster und macht uns Menschen zugleich seelisch und körperlich krank.

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