Schwerpunkt
Naturheilpraxis 09/2020

Gesundheitszentrale Darm – Pankreasschwäche und Gallensäureverlust-Syndrom

Kaum vorstellbar, dass die Oberfläche unseres Darms mit einer Länge von sechs bis acht Metern etwa 400 Quadratmeter Oberfläche misst, während die Hautoberfläche eines erwachsenen Menschen lediglich etwa eineinhalb bis zwei Quadratmeter beträgt. Genau betrachtet gehört die große Kontaktfläche des Verdauungstrakts zur Außenwelt, denn hier trifft die Nahrung auf den Darm, um letztendlich aufgenommen zu werden. Die Darmschleimhaut ist ein Schutzschild des Körpers. Nur zu verständlich, dass in diesem fein aufeinander abgestimmten System auch einiges schieflaufen kann.

Ein Beitrag von Sigrid Selzer
Lesezeit: ca. 10 Minuten

Für die riesige Oberfläche des Darms sorgen die vielen Auffaltungen der Darmschleimhaut, die sogenannten Zotten und Mikrovilli, die sich vor allem im mittleren Dünndarm befinden. Da sich im Darm Außen- und Innenwelt treffen, müssen zum Schutz des Körpers drei Schutzbarrieren gut funktionieren:

1. Darmbakterien

Wir sind nicht allein! Im schützend über der Darmschleimhaut liegenden Mukos, dem Darmschleim, lebt der größte Teil der etwa 100 Billionen Darmbakterien. Optimalerweise ist der Mukos dicht mit physiologischen Darmbakterien besiedelt, denn nur so finden schädliche Keime dort keinen Platz mehr. Dies bezeichnet man als Kolonisations-Resistenz. Wir beherbergen also mindestens zehnmal so viele Bakterien im Darm wie Zellen im Körper.

Bezüglich der Bakterienbesiedlung des Darms hat die Forschung in den letzten 20 Jahren rasant an Fahrt aufgenommen, steckt aber trotz vieler neuer Erkenntnisse noch in den Kinderschuhen.
Je weiter wir im Verdauungstrakt von der Mundhöhle in Richtung Darmausgang blicken, umso größer die Bakterienpopulation und -diversität. Während in der Mundhöhle rund 700 Bakterienarten siedeln (1), sind es im Darm laut genetischen Analysen bei der westlichen Bevölkerung 1 000 bis 1 150 verschiedene Bakterienspezies, von denen eine Person jedoch nur 160 Spezies beherbergt (2). Trotz individueller Unterschiede gibt es aber wohl ein sogenanntes Kern-Mikrobiom, das bei allen Menschen gleich ist und nur zusätzlich um einige Darmbakterien-Spezies ergänzt wird. Die verschiedenen Besiedlungen unseres Körpers werden als Mikrobiom oder Mikrobiota bezeichnet. So unterscheiden wir beispielsweise das Haut-Mikrobiom, die Vaginalflora, das Darm-Mikrobiom usw. Dabei ist es wichtig, dass die Anzahl der Darmbakterien und deren Diversität hoch sind und diese in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Zudem produzieren einige Darmbakterien Abwehrstoffe gegen fremde Eindringlinge. Laktobazillen scheiden als Stoffwechselprodukt Milchsäure aus, einige von ihnen auch Wasserstoffperoxid, um schädliche Keime abzuwehren und abzutöten. Mit ihrer Milchsäureproduktion sorgen sie aber auch dafür, dass sie von einem für ihr Leben und ihre Vermehrung günstigen Milieu umgeben sind.

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