Dehnübungen für die Hüftmuskulatur gehören zum Standardprogramm vieler Sportler. Sie können helfen, führen jedoch nicht immer ans Ziel. Demnach scheint der M. iliopsoas mehr als nur Dehnung zu benötigen. Er gilt auch als sogenannter Seelenmuskel und ist unter anderem immer noch von unserem „Ur-Programm“ des Kämpfens und Fliehens beeinflusst. Die Folge ist eine Wechselwirkung zwischen Stress und Verspannung.

Gerade unter Läufern, Radfahrern und Triathleten ist die „Betonhüfte“ mitunter fast schon Standard. Ebenso leiden viele Menschen mit überwiegend sitzender Tätigkeit unter Verspannungen und Schmerzen im Bereich von Hüfte und unterem Rücken. Mittel erster Wahl ist dabei häufig Dehnung, Dehnung, Dehnung – mit eher gemischtem Erfolg. Dies hängt nicht zuletzt mit der komplexen Anatomie des M. ilipsoas (in der Folge Psoas genannt) zusammen. 

Abbildung 1: Der M. iliopsoas – ein komplexer und vielschichtiger MuskelPikovit/ shutterstock.com
Abbildung 1: Der M. iliopsoas – ein komplexer und vielschichtiger Muskel

Der Psoas stand selbst im medizinischen Bereich lange Zeit nur wenig im Fokus (Abb. 1). So wird er noch im Prometheus Lernatlas der Anatomie mit folgendem Absatz abgehandelt: „Neben den Mm. rectus femoris und tensor fasciae latae gehört der M. iliopsoas zu den Flexoren im Hüftgelenk. Als kräftigster Flexor besitzt er eine große Hubhöhe und ist daher ein wichtiger Muskel für das Stehen, Gehen und Laufen. Als typischer Haltemuskel mit überwiegend langsam zuckenden roten Muskelfasern (Typ-I-Fasern) neigt der M. iliopsoas jedoch zur Verkürzung (z. B. infolge überwiegend sitzender Tätigkeit) und muss daher regelmäßig gedehnt werden“ (1).