Covid-19, die neue „Super“-Zecke Hyalomma, Schweinegrippe, Vogelgrippe, „normale“ Influenza usw.: Die Liste krankmachender Erreger wird immer länger. Ähnlich sieht es bei Allergie-auslösenden Faktoren aus: Eichenprozessionsspinner, asiatische Tigermücke, Ambrosia, heimische Pollen, die sich nicht mehr an den Pollenflugkalender halten und so weiter und so fort. Dinge, mit denen zu leben wir lernen müssen.

Über einzelne Ursachen lässt sich trefflich diskutieren: Globalisierung, zunehmende Weltbevölkerung mit immer vollgestopfteren Ballungszentren, offene Grenzen, Billigflüge, Glyphosat-Einsatz und vieles mehr. Vieles davon lässt sich nicht ändern, deshalb sollte die Strategie, sich gegen schädliche Faktoren zu wappnen, meiner Meinung nach so aussehen, dass man die Mittel ausschöpft, die einem persönlich zur Verfügung stehen.

Beispiel Erkältungssaison

Unabhängig davon, ob man sich nun gegen die Grippe impfen lässt oder nicht, sollte man grundsätzlich darauf achten, sein Immunsystem in Topform zu halten bzw. zu bringen. Im Voraus massenweise Vitamin- und Mikronährstoffpräparate zu schlucken, bringt dabei aus Sicht der Naturheilkunde wenig. Wichtiger ist es, auf eine ganzheitliche Ernährung zu achten. Diese sollte vor allem viel natürliches Vitamin C enthalten, das etwa in Zitronen, Orangen, Kiwis, Paprika und Petersilie vorkommt; des Weiteren die Vitamine A (Karotten, Tomaten, Kürbis, Spinat) und E (Sonnenblumenöl, Mandeln, Nüsse) sowie das Spurenelement Zink (Leber, Sonnenblumenkerne, Roggenkeimlinge, Weizenkleie).

Schlafen sollte man in kühlen, gut durchlüfteten Räumen. Ebenfalls sinnvoll sind regelmäßige Infrarotanwendungen oder Saunieren mit Maß und Ziel. Vorausgesetzt natürlich, man hat keine gesundheitlichen Beschwerden, die Saunieren von vornherein ausschließen.

Das richtige Darmmilieu schaffen

Unser Immunsystem kann nur dann funktionieren, wenn die Zusammensetzung des Bakterienmilieus unseres Dickdarms stimmt. Dieses gerät zum Beispiel bereits in Gefahr, wenn es zur Einnahme von Antibiotika kommt, die im besten Fall zwar die Bakterien bekämpfen, die sie bekämpfen sollen. Häufig aber auch nützlichen Bakterien schaden, die anschließend im Dickdarm fehlen – wodurch das Immunsystem aus naturheilkundlicher Sicht in seiner Funktion beeinträchtigt wird.

In einem solchen Fall empfiehlt sich eine Darmsanierung, wovon ich zwei Varianten kurz vorstellen möchte, die in meiner Praxis Anwendung finden:

  1. Mutaflor (Fa. Ardeypharm): Insbesondere um den idealen „Nährboden“ für später folgende spezifischere Therapiemaßnahmen zu bereiten, entscheide ich mich häufig für dieses Präparat. Es handelt sich um Kapseln, die resistent gegen (Magen-)Säure und zahlreiche Antibiotika sind und Escherichia coli vom Stamm Nissle 1917 enthalten. Die Kapseln müssen durchgehend gekühlt gelagert werden.
    Dosierung: in der Regel während der ersten vier Tage jeweils 1 Kapsel morgens zum Frühstück, um den Darm allmählich an die Bakterien-Neubesiedelung zu gewöhnen; ab dem 5. Tag jeweils 2 Kapseln
  2. Darmflora plus select (Fa. Dr. Wolz): Um das Immunsystem anzuregen, insbesondere im direkten Anschluss an eine Antibiotika-Einnahme, verwende ich in meiner Praxis häufig Darmflora plus select von Dr. Wolz: Ein probiotisch-hochdosiertes Nahrungsergänzungsmittel, das acht verschiedene Milchsäurekulturen enthält, die sich nach aktueller Studienlage in ihrer Wirkung unterstützen. Vier davon – Lactobacillus acidophilus, casei, rhamnosus und plantarum – wirken im Bereich des Dünndarms, die übrigen vier – Bifidobacterium breve, bifidum und lactis sowie Streptococcus thermophilus – im Dickdarm.
    Sie haften gut an der Mukosa und produzieren rechtsdrehende Milchsäure. Des Weiteren enthält das Nahrungsergänzungsmittel die Vitamine B1, B2, B6 und B12 sowie Biotin und Folsäure, um das Wachstum der Milchsäurebakterien sowie das Immunsystem und die Erhaltung bzw. Regeneration der Darmschleimhaut zu unterstützen.
    Dosierung: in der Regel 4 Kapseln täglich zu den Mahlzeiten

Infrage kommende Homöopathika

Sowohl zur Stärkung des Immunsystems als auch zur Allergieprophylaxe verordne ich meinen Patienten darüber hinaus häufig homöopathische (Komplex)mittel.

  • Allergien
    Aus meiner Erfahrung heraus arbeite ich häufig mit Aralia S Phcp (Fa. Phönix)
    Charakteristische Inhaltsstoffe: Aralia racemosa Dil. D10, Atropa bella-donna Dil. D10, Eucalyptus globulus Dil. D10.
    Dosierung: Bei akuten Zuständen i. d. R. alle halbe bis ganze Stunde bzw. höchstens 6-mal täglich je 5 Globuli. Bei chronischen Verlaufsformen 1- bis 3-mal täglich je 5 Globuli.
  • Akute Infektionskrankheiten
    Bei akuten Infektionskrankheiten wähle ich dagegen Kalium nitriticum spag. (Fa. Phönix)
    Charakteristische Inhaltsstoffe: Arnica montana e floribus sicc. Glückselig Dil. D2, Bolus alba spag. Glückselig Ø, Camphora Dil. D3, Cuprum sulfuricum Dil. D4, Hydrargyrum bichloratum spag. Glückselig Dil. D6, Kalium nitricum Dil. D3, Stibium sulfuratum nigrum Dil. D8.
    Dosierung: i. d. R. 3- bis 4-mal täglich 20 Tropfen
  • Akute grippale Infekte
    Insbesondere zur Behandlung akuter grippaler Infekte verwende ich dagegen meist Kaolinum spag. (Fa. Phönix)
    Charakteristische Inhaltsstoffe: Acidum arsenicosum spag. Glückselig Dil. D4, Arnica montana e floribus sicc. Glückselig Dil. D2, Bolus alba spag. Glückselig Ø, Chelidonium majus ex herba rec. spag. Glückselig Dil. D7, Cuprum sulfuricum Dil. D4, Hydrargyrum bichloratum spag. Glückselig Dil. D6, Kalium nitricum Dil. D3, Solidago virgaurea ex herba rec. Glückselig Ø, Stibium sulfuratum nigrum Dil. D8, Zincum metallicum Dil. D8.
    Dosierung: i. d. R. 3- bis 4-mal täglich 20 Tropfen
  • Mandelentzündungen
    Stehen Lymphknoten- und Mandelschwellungen bzw. Mandelvereiterungen im Vordergrund des Beschwerdebildes, setze ich häufig auf Thuja Lachesis spag. (Fa. Phönix)
    Charakteristische Inhaltsstoffe: Arnica montana e floribus sicc. Glückselig Dil. D2, Bolus alba spag. Glückselig Ø, Cuprum sulfuricum Dil. D4, Dryopteris filix-mas ex herba rec. Glückselig Dil. D4, Echinacea angustifolia e planta tota rec. spag. Glückselig Dil. D2, Hydrargyrum bichloratum spag. Glückselig Dil. D6, Iodum Dil. D4, Lachesis mutus Dil. D7, Stibium sulfuratum nigrum Dil. D8, Thuja occidentalis Dil. D2, Verbena officinalis ex herba sicc. Glückselig Ø, Zincum metallicum Dil. D8.
    Dosierung: i. d. R. 3- bis 4-mal täglich 20 Tropfen

Schadstoffe ausleiten

Geht es um die allgemeine Stärkung des Immunsystems (insbesondere prophylaktisch), bietet sich außerdem eine spagyrische Entgiftungskur an, um die vielen Noxen auszuleiten, die Tag für Tag auf uns einwirken. Etwa anhand des letztgenannten Medikaments –Thuja Lachesis spag. – in Kombination mit folgenden drei weiteren Medikamenten:

  • Phönix Urtica-Arsenicum spag. (Fa. Phönix)
    Charakteristische Inhaltsstoffe: Acidum arsenicosum spag. Glückselig Dil. D4, Arnica montana e floribus sicc. Glückselig Dil. D2, Aurum chloratum Dil. D5, Bolus alba spag. Glückselig Ø, Camphora Dil. D3, Cuprum sulfuricum Dil. D4, Digitalis purpurea Glückselig Dil. D4, Dryopteris filix-mas ex herba rec. Glückselig Dil. D4, Euspongia officinalis Glückselig Ø, Filipendula ulmaria ex herba rec. Glückselig Ø, Hydrargyrum bichloratum spag. Glückselig Dil. D6, Hypericum perforatum ex herba Glückselig Ø, Juniperus communis e fructibus sicc. Glückselig Ø, Kalium nitricum Dil. D3, Orthosiphon stamineus e foliis sicc. Glückselig Ø, Solidago virgaurea ex herba rec. Glückselig Ø, Stibium sulfuratum nigrum Dil. D8, Tartarus depuratus spag. Glückselig Ø, Urtica urens ex herba rec. Glückselig Dil. D2, Zincum metallicum Dil. D8.
    Dosierung i. d. R.: 3 bis 4 mal täglich 20 Tropfen
  • Solidago spag. (Fa. Phönix)
    Charakteristische Inhaltsstoffe: Arnica montana e floribus sicc. Glückselig Dil. D2, Aurum chloratum Dil. D5, Bolus alba spag. Glückselig Ø, Camphora Dil. D3, Cuprum sulfuricum Dil. D4, Digitalis purpurea Glückselig Dil. D4, Filipendula ulmaria ex herba rec. Glückselig Ø, Hydrargyrum bichloratum spag. Glückselig Dil. D6, Juniperus communis e fructibus sicc. Glückselig Ø, Solidago virgaurea ex herba rec. Glückselig Ø, Stibium sulfuratum nigrum Dil. D8, Urtica urens ex herba rec. Glückselig Dil. D2.
    Dosierung i. d. R.: 3 bis 4 mal täglich 20 Tropfen
  • Silybum spag. (Fa. Phönix)
    Charakteristische Inhaltsstoffe: Acidum arsenicosum spag. Glückselig Dil. D4, Aesculus hippocastanum e semine sicc. Glückselig Ø, Arnica montana e floribus sicc. Glückselig Dil. D2, Atropa bella-donna e foliis rec. Glückselig Dil. D4, Aurum chloratum Dil. D5, Bolus alba spag. Glückselig Ø, Camphora Dil. D3, Chelidonium majus ex herba rec. spag. Glückselig Dil. D7, Crataegus e foliis cum flores rec. Glückselig Ø, Cuprum sulfuricum Dil. D4, Digitalis purpurea Glückselig Dil. D4, Filipendula ulmaria ex herba rec. Glückselig Ø, Hydrargyrum bichloratum spag. Glückselig Dil. D6, Juniperus communis e fructibus sicc. Glückselig Ø, Kalium nitricum Dil. D3, Orthosiphon stamineus e foliis sicc. Glückselig Ø, Paeonia officinalis e floribus sicc. Glückselig Ø, Silybum marianum Dil. D2, Solidago virgaurea ex herba rec. Glückselig Ø, Stibium sulfuratum nigrum Dil. D8, Tartarus depuratus spag. Glückselig Ø, Zincum metallicum Dil. D8.
    Dosierung: i. d. R. 3- bis 4-mal täglich 20 Tropfen

Die Kombination dieser vier Medikamente ist auch unter der Bezeichnung „Phönix-Ausleitungskonzept“ bekannt, das wie folgt angewendet wird: Silybum spag., Solidago spag. und Urtica-Arsenicum spag. werden im 3-tägigen Wechsel eingenommen, Thuja Lachesis spag. durchgehend. Der daraus resultierende 9-tägige Zyklus wird 5-mal wiederholt. Die Entgiftungstherapie dauert demnach 45 Tage.

Dosierung im speziellen Fall des kombinierten Einsatzes der vier einzelnen Medikamente als Entgiftungskur:

  • Silybum spag.: 180 Tropfen täglich
  • Solidago spag.: 180 Tropfen täglich
  • Urtica-Arsenicum spag.: 60 (bei Hautproblemen 30) Tropfen täglich
  • Thuja Lachesis spag.: 60 Tropfen täglich

Einnahmeempfehlung

Die Tagesdosis der jeweiligen Arzneimittel wird morgens in 1,5 Liter stilles Wasser geträufelt und über den Tag verteilt getrunken, wobei keine Metalllöffel bzw. -gefäße verwendet werden sollten. Begleitend empfiehlt sich eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 3 Litern pro Tag.

Fazit

Neben den in diesem Artikel vorgestellten Maßnahmen zur Unterstützung des Immunsystems sind zahlreiche weitere denkbar. Mein Anliegen war, zumindest einige Möglichkeiten vorzustellen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass es nach wie vor viele Kollegen und Kolleginnen gibt, die den Verlust der Eigenbluttherapie noch nicht kompensieren konnten. Den Heilpraktikern weiterhin erlaubte „Homöopathische Eigenbluttherapie“ allein kann diesen Verlust zumindest meiner Meinung nach nicht auffangen.

Literatur

Organon der Heilkunst, Samuel Hahnemann, Standardausgabe der 6. Auflage, Haug

Leitfaden Naturheilkunde, Matthias Augustin, Volker Schmiedel, Urban & Fischer