Die Dreijährige, die vor jedem Stuhlgang vor Angst weint, und die erschöpfte, von Skelettschmerzen und diffusen Depressionen geplagte Achtzigjährige hatten auf den ersten Blick sehr wenig miteinander zu tun. In der Anamnese zeigten sich jedoch erste Hinweise, die die weitere Behandlung bestätigte: Beide litten unter einer funktionellen Cholangiopathie mit verringertem Gallenfluss.

Die Anamnese: Erste Verdachtsmomente

Fragen nach dem Stuhlgang gehören zur Routine der Erstanamnese. Unregelmäßiger Stuhlgang mit zwei bis drei Tagen Pause, durchaus abwechselnd mit gelegentlichem Durchfall und verbunden mit einer häufig auffallend hellen Stuhlfarbe ist  der erste Hinweis für einen unzureichenden Gallenfluss. Kinder frage ich als Nächstes, ob sie Pommes mögen, und wenn ja, ob lieber mit Mayonnaise oder mit Ketchup. Ist ihnen ein Rühr- bzw. Obstkuchen lieber oder doch ein Stück Sahnetorte? Die gleichen Fragen ergänze ich bei Erwachsenen mit weiteren Fragen zur Fettverträglichkeit, z. B. in Zusammenhang mit in Öl eingelegten Antipasti oder dem Fett einer Schweinshaxe. Wenn dazu noch von früheren Koliken oder einer Cholezystektomie berichtet wird, liegt der Verdacht einer Gallendyskinesie besonders nahe. Neben den Verdauungsbeschwerden reichen die möglichen Folgen einer Gallenflussstörung von Kopfschmerzen und Migräne, Erschöpfungszuständen und Depressionen, Schulterschmerzen, Herzbeschwerden und diffusen Myalgien bis zu Störungen durch die Minderversorgung mit fettlöslichen Vitaminen.