Fachforum
Naturheilpraxis 09/2018

Füße im Blickpunkt der Medizin

Nicht nur die Reflexzonen am Fuß bieten ein bewährtes Diagnose- und Therapiesystem, auch die orthopädische Betrachtung rund um das achsengerechte Stehen und Gehen stellt ein wichtiges Fundament innerhalb der Naturheilkunde dar.

Ein Beitrag von Anja Lamprecht
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Anja Lamprecht

Unsere Füße führen heute meist ein Schattendasein, werden in unförmige Modeschuhe gequetscht, häufig wenig gepflegt und bewegt. Eingehüllt in atmungshemmende Kunstfasern schwitzen sie oft unbeachtet dahin und können so ihren vielfältigen ganzheitlichen Funktionen nicht mehr nachgehen – mit entsprechenden weitreichenden Folgen. Selbst innerhalb der Medizin sind unsere Zehen namenlos geblieben, jeder Finger hat einen eigenen Namen, unsere Zehen werden bis auf die Großzehen einfach durchnummeriert. Sie sind keinem Geschlecht eindeutig zugeordnet, es heißt sowohl „der Zeh“ als auch „die Zehe“.

Der Fuß als Fundament unserer Haltung

„Mit beiden Beinen fest im Leben stehen“, sagt der Volksmund. Zwei relativ kleine Plattformen, beweglich und flexibel, jeweils bestehend aus 26 Knochen, 33 Gelenken, über 20 Muskeln, mehr als 100 Bändern und Sehnen. Sie stellen eine Meisterleistung der Natur dar. Die Füße sind im Laufe der Evolution so geformt worden, dass sie uns das ganze Leben hindurch aufrecht tragen können. Über 7 000 Nervenenden geben zudem Impulse an das Gehirn weiter.
Um den Stand bzw. den Abdruck (die hinterlassenen Spuren, s. Abb. 1) zu analysieren, bieten sich mehrere Möglichkeiten: Die Füße werden z. B. im hüftbreiten Stand auf zwei leere DIN-A4-Blätter gestellt und die Umrisse darauf gezeichnet. Anschließend werden durch Wahrnehmung der Druckverteilung die entsprechenden Kontaktpunkte jedes Fußes schraffiert. Auch Farbabdrücke oder Abdrücke in Sand können den Stand verdeutlichen. Oft lassen sich deutliche Unterschiede zwischen rechts und links erkennen. Muss der Körper diese Dysbalance ausgleichen, kommt es zwangsläufig zu Fehlhaltungen mit Auswirkungen auf das ganze Körpersystem.
Ein fester Stand und die Aufrichtung beginnen am Fuß; nur wenn Vorfuß und Ferse sich gut „verschrauben“ (Spiraldynamik nach Dr. Christian Larsen), steht der Fuß stabil. Eine einfache Vorübung dazu zeigt Abb. 2, anfangs ungewohnt, später wohltuend und ohne Unterstützung der Hände auszuführen. Beim stabilen Stehen mit beiden Beinen liegt das Hauptgewicht jeweils auf den beiden Punkten „Außenkante Ferse“ und Großzehengrundgelenk. Dadurch kann die Aufrichtung ausgehend vom Fersenbein erfolgen. Hierzu gibt es verschiedene Trainingsmöglichkeiten, z. B. mithilfe von Therabändern (s. Abb. 3) oder Wackelbrettchen (s. Abb. 4).
„Wie es geht und steht“, fragt der Volksmund und verweist auf Wohlbefinden und Gesundheit. Der Frage nach dem Stand im Leben, dem Vorwärtskommen und dem Fortschritt wird große Bedeutung beigemessen.
Individuell passende Schuhe sind unabdingbare Voraussetzung für gesunde Füße bzw. bei Fußproblemen. So können High Heels einen Hallux valgus und Spreizfuß bedingen, spitze Schnabelschuhe Probleme im Großzehen- und Kleinzehengrundgelenk sowie Hühneraugen entstehen lassen und Turnschuhe (vor allem mit Weichbettung) neben Senk- und Knickfüßen auch zu Achillessehnen- und Kniebeschwerden führen. Von Beschwerden durch das Tragen von Flip-Flops, Plateausohlen und Ballerinas ganz zu schweigen.
Grundsätzlich gilt, dass ein gesunder Fuß bzw. ein Mensch mit naturgemäßem Gang fast jeden Schuh tragen kann, Abwechslung und Maßhaltung sind hier wie auch in anderen Bereichen des Lebens entscheidend.

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Naturheilpraxis 09/2018

Erschienen am 01. September 2018