Ein Team von Wissenschaftlern rund um den Medizin-Nobelpreisträger Prof. Dr. Harald zur Hausen hat am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg bislang unbekannte Erreger als Risikofaktor für Darmkrebs und andere Karzinome identifiziert. Die Erreger, die weder Bakterien noch Viren sind und bakteriellen Plasmiden ähneln, kommen im Fleisch und in der Milch europäischer Rinder vor.
Die Forscher bezeichnen die neuen Erreger als BMMF (Bovine Meat and Milk Factors) und haben inzwischen mehr als 120 verschiedene Vertreter identifiziert, die sich in menschlichen Zellen vervielfältigen können. Außer in Milchproben und Milchprodukten aus dem Supermarkt konnten sie die Erreger unter anderem in Blutseren von europäischen Kühen nachweisen, außerdem in Blutproben von Gesunden und Darmkrebspatienten sowie in der Lamina propria der Schleimhaut im Kolon, in den Mammae, in der Prostata und im Gehirn. Es wird vermutet, dass die BMMF für oxidativen Stress mitverantwortlich sind und damit zu chronischen Entzündungen und Veränderungen am Erbgut beitragen können. Muttermilch kann ein Andocken von Erregern an die Rezeptoren an der Zelloberfläche verhindern. Die Wissenschaftler raten deshalb, Säuglinge mindestens sechs Monate lang zu stillen. Autorin: Sabine Ritter