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Naturheilpraxis 02/2020

Fast Food macht Zellen aggressiv

Zu viel, zu süß, zu fett – wer sich mit "westlicher Diät" ernährt, läuft Gefahr, dass sein Immunsystem immer aggressiver reagiert und dass er an Arteriosklerose, Diabetes oder Arthritis erkrankt. Bonner Forschern ist es gelungen, einen "Fast-Food-Sensor" zu identifizieren, der, wird er durch ungesunde Ernährung gereizt, epigenetische Änderungen anregt, sodass das Immunsystem schon auf kleine Reize mit stärkeren Entzündungen antwortet.

Ein Beitrag von Martina Schneider
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Vera Serg / shutterstock.com

Gehärtete Fette, Weißmehl, wenig Ballaststoffe, stattdessen raffinierter Zucker in Mengen. Wer sich hauptsächlich so ernährt, nimmt drastisch zu, wird schneller ernsthaft krank und stirbt früher. Harte Nachrichten haben Wissenschaftler für Anhänger der sogenannten westlichen Diät parat. Doch es kommt noch dicker. „Auf eine fett- und kalorienreiche Kost reagiert das Immunsystem ähnlich wie auf eine bakterielle Infektion“, sagt Prof. Dr. Joachim Schultze vom Life & Medical Sciences Institute der Universität Bonn und vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zum Ergebnis einer aktuellen Studie. Noch mehr beunruhigt die Erkenntnis, dass ungesundes Essen die Körperabwehr langfristig aggressiver macht: „Auch lange Zeit nach Umstellung auf gesunde Kost kommt es schneller zu Entzündungen, die wiederum direkt Arteriosklerose und Diabetes fördern.“ (1)

Durch Fett regelrecht infiziert

Die Wissenschaftler setzten Mäuse einen Monat lang auf eine „westliche Diät“: viel Fett, viel Zucker, wenig Ballaststoffe. Die Tiere entwickelten daraufhin eine massive körperweite Entzündung – fast wie nach einer Infektion durch Bakterien. Unerwartet für die Forscher führte diese Ernährungsweise zu einem Anstieg einiger Immunzellen im Blut – Hinweis darauf, dass Vorläuferzellen im Knochenmark an einer Entzündung beteiligt sind. Um diese Veränderungen besser zu verstehen, analysierten die Wissenschaftler die Vorläuferzellen von Immunzellen aus dem Knochenmark von Mäusen, die mit „westlicher Diät“ oder normaler Diät gefüttert wurden, isoliert und systematisch. „Genomische Untersuchungen zeigten uns tatsächlich, dass in den Vorläuferzellen durch die westliche Diät eine große Anzahl von Genen aktiviert wurde“, erklärt Schultze. Betroffen waren unter anderem Erbanlagen für ihre Vermehrung und Reifung. „Fast Food führt also dazu, dass der Körper rasch eine riesige schlagkräftige Kampftruppe rekrutiert!“ Sobald die Nager einen Monat lang wieder arttypische Getreidekost genossen hatten, verschwand die akute Entzündung. Was nicht verschwand, war die genetische Reprogrammierung der Immunzellen: „Auch nach diesen vier Wochen waren in ihnen noch viele der Erbanlagen aktiv, die in der Fast-Food-Phase angeschaltet worden waren“, berichtet der Immunologe und Genomforscher.

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Naturheilpraxis 02/2020

Erschienen am 03. Februar 2020