Jeder Therapeut erlebt in der Praxis, dass schriftliche und mündliche Anamnesebefragungen zumeist ein gewisses Maß an Unvollständigkeit aufweisen. Patienten vergessen wichtige Ereignisse in der Krankheitsgeschichte, und sie können ihren Gemütszustand nicht immer zufriedenstellend beschreiben. Die Farbvorliebe eines Patienten bietet dem Therapeuten Möglichkeiten, seine Befunderhebung um ein wertvolles Leitsymptom zu ergänzen, damit er z. B. phytotherapeutische und homöopathische Arzneimittel mit noch besserer Treffgenauigkeit verschreiben kann.

Das Problem der Unvollständigkeit der Anamnese und die Suche nach weiteren diagnostischen Hinweisen ist für naturheilkundliche Behandler nichts Neues. So sind die Augen-, Antlitz- oder Pulsdiagnose etc. gängige Werkzeuge, um die anamnestischen Lücken zu füllen. Es geht darum, einen Blick hinter die Kulissen des Symptoms zu werfen, hin zum eigentlichen Ursprung einer Pathologie. In der Naturheilpraxis möchten wir idealerweise nicht nur die Symptome behandeln, sondern auch deren Ursachen, wie Disposition, Diathese und den energetischen Grundzustand des jeweiligen Patienten. Die Bestimmung der Farbvorliebe verfolgt die gleiche Zielsetzung wie die oben genannten Verfahren, nämlich etwas über den Zustand der Lebenskraft und die emotionale Stimmungslage zu erfahren. Der weltweit bekannte Homöopath Jan Scholten beschreibt den Stellenwert der Farbauswahl im nachfolgenden Zitat äußerst treffend (1):