Ferdinand Sauerbruch (1875–1951) gilt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Chirurgen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Berühmt wurde Sauerbruch zu seiner Zeit für die Erfindung des Druckdifferenzverfahrens bzw. der Unterdruckkammer, die erstmals Operationen am geöffneten Brustraum erlaubte, ohne das Risiko eines Pneumothorax. Doch das war nicht seine einzige Erfindung.

Erfindungsreiche Züricher Zeit

Von der Universität und Poliklinik Marburg wechselt Ferdinand Sauerbruch 1910 als Professor an die Züricher Universitätsklinik. Dort blüht er endlich wieder auf, strukturiert die gesamte Chirurgische Klinik um, stattet sie unter anderem mit seinen Unterdruckkammern aus und ersinnt revolutionäre Operationstechniken. So entwickelt er in seiner Züricher Zeit beispielsweise den Interkostalschnitt, einen Schnitt zwischen den Rippen, der eine schonende Öffnung des unteren Brustkorbs ermöglicht. Vereinzelt werden Patienten bei Thorax-Operationen auch Rippen entfernt, mithilfe von Instrumenten, die Sauerbruch selbst entwickelt hat. Viele lungenkranke Patienten profitieren von Sauerbruchs Erfinderreichtum, der etliche chirurgische Instrumente und Techniken hervorbringt. Sauerbruch entwickelt zum Beispiel Lungenspatel, Lungenfasszange, Druckzange und spezielle Lagerungstechniken für Operationen. Zudem schreibt er zum ersten Mal eine Mindesttemperatur von 24 Grad Celsius in Operationsräumen vor. Ebenfalls revolutionär: Sauerbruch bereitet jeden seiner Patienten durch intensive persönliche Gespräche auf die anstehende Operation vor und sorgt dafür, dass nach der OP Rehabilitationsmaßnahmen eingeleitet werden. Außerdem sorgt er dafür, dass Äther statt Chloroform für die Anästhesie genutzt wird, da Chloroform die Herzmuskulatur schädigt.