Wer kennt sie nicht, die kitzelnde Nase, das Kratzen im Hals und den trockenen Reizhusten in der Nacht? Der grippale Infekt gehört zu den häufigsten akuten Infektionskrankheiten der oberen Atemwege. Er stellt somit einen nicht zu vernachlässigenden ökonomischen Faktor dar. Umso wichtiger sind daher wirksame, natürliche Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung sowie die Pflege eines stabilen Immunsystems.

Erkältungskrankheiten haben immer Saison, auch wenn sich die Infekte zu Beginn der kalten Jahreszeit im Herbst, bei nass-kaltem Wetter im Winter und im Frühjahr nach lichtarmen Zeiten häufen. Kühlere Temperaturen und geringere Luftfeuchtigkeit führen zu trockeneren Schleimhäuten der Atemwege und erhöhen dadurch die Anfälligkeit für Infektionen. Bei kalter Witterung halten sich die Menschen häufiger in Gebäuden, in schlecht gelüfteten Räumen mit trockener Heizungsluft und in der Nähe infizierter Personen auf, wodurch das Risiko einer Ansteckung erhöht wird. Aber auch die Einwirkung eines kalten Luftzugs durch Ventilatoren und Klimaanlagen können die Oberfläche eines überhitzten und feuchten Körpers bei hohen Temperaturen stark abkühlen und so den Krankheitsausbruch nach einer Infektion begünstigen.

Erkältungskrankheiten sind bei Kindern und Säuglingen sehr häufig, wobei die Häufigkeit mit dem Alter abnimmt. Säuglinge erkranken etwa 6- bis 8-mal pro Jahr, Neunjährige 3- bis 5-mal und Erwachsene lediglich 1- bis 2-mal pro Jahr. Dennoch gibt es immer wieder erwachsene Patienten, die von einem Infekt in den nächsten schlittern, ohne sich richtig auskuriert zu haben.

Ursache der grippalen Infekte sind mehr als 200 unterschiedliche Viren aus verschiedenen Virusfamilien, darunter Rhino-, Parainfluenza-, Adeno- und Coronaviren. Am häufigsten sind die Rhinoviren mit ca. 100 verschiedenen serologischen Typen aus der Familie der Picornaviridae. Sie sind weltweit verbreitet und humanpathogen. Die Viren binden an Rezeptoren auf der Zelloberfläche im hinteren Nasenrachenraum und schleusen sich in die Wirtszelle ein. Hier erfolgt die Freisetzung der Erbinformation. Bereits etwa 12 Stunden nach der Infektion können neue Rhinoviren nachgewiesen werden, welche dann die nächste Wirtszelle infizieren. Einer Studie zufolge scheinen sich Rhinoviren bei kühlen Temperaturen schneller zu vermehren.

Übertragung und Inkubationszeit

Die krankheitsverursachenden Viren werden über verschiedene Wege übertragen:

  • über die Luft durch Tröpfcheninfektion, z. B. durch Niesen, Husten oder Naseputzen
  • direkt von Person zu Person, z. B. durch Händeschütteln
  • indirekt durch Schmierinfektion, z. B. durch Berührung eines kontaminierten Gegenstandes wie Türklingen oder Haltegriffen in öffentlichen Verkehrsmitteln

Die Inkubationszeit beträgt in Abhängigkeit der Erreger ein bis sieben Tage.

Symptomatik und Verlauf

Die Infektion beginnt mit einer langsamen Verschlechterung des Allgemeinzustandes, wobei sich ihre Symptome je nach Manifestation der Viren im Körper äußern. Im Vorstadium besteht ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Brennen und Kitzeln in der Nase mit Niesreiz und Halskratzen bis hin zu Halsschmerzen und Schluckbeschwerden, oft verbunden mit leichtem Frösteln. Fieber besteht meistens nicht. Das menschliche Immunsystem reagiert mit entzündlichen Reaktionen und der Freisetzung verschiedener Entzündungsmediatoren. Als typisches Erkältungssymptom zeigt sich eine Rhinitis. Die Gefäße der Nasenschleimhaut werden durchlässiger, Flüssigkeit tritt aus und die Schleimhaut schwillt an. Dadurch ist die Nasenatmung deutlich erschwert und das Riechvermögen vermindert. Zuerst kommt es zur wässrigen Sekretion aus der Nase, später zu einem zähen Sekret und bei einer bakteriellen Superinfektion entsteht ein meist schleimig-eitriges Sekret. Allgemeines Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen können hinzukommen. Je nach Virulenz der Erreger und dem Zustand des Immunsystems des Erkrankten kann sich auch Fieber entwickeln. Oft zeigt sich ein trockener Reizhusten, der teilweise in einen festsitzenden Husten übergeht. In der Regel ist die Erkrankung nach einer Woche überstanden, sie kann aber auch bis zu zwei Wochen dauern. Allerdings prädisponiert die Infektion durch Superinfektion zu weiteren Erkrankungen wie Sinusitis, Otitis media und Infektionen des unteren Respirationstrakts.

Die sich nach überstandener Erkrankung ausbildende Immunität hält nur für kurze Zeit an und ist typenspezifisch. Die Vielzahl der verschiedenen Viren und ihrer Subtypen als Krankheitserreger erklärt, warum eine Erkältung so häufig, mehrmals pro Jahr und immer wieder, auftreten kann.

Influenza

Der grippale Infekt ist von der „echten“ Virusgrippe (Influenza) – einer meldepflichtigen, hochansteckenden Infektionskrankheit – zu unterscheiden. Im Gegensatz zu den Erkältungskrankheiten beginnt eine Influenza plötzlich, verläuft mit deutlichem Fieber über 38,5 °C und mit starken Muskel- und Gliederschmerzen. Anders als beim grippalen Infekt steht für die Influenza eine Grippeschutzimpfung zur Verfügung, deren Effektivität jedoch stark variiert und die, wie jede andere Impfung, keinen hundertprozentigen Schutz bieten kann. Wie das Robert Koch-Institut ausführt, wird zum einen die Zusammensetzung des Impfstoffes jährlich aktualisiert und es ist möglich, dass die in der folgenden Saison hauptsächlich auftretenden Influenzaviren nicht gut mit den im Impfstoff enthaltenden Virusstämmen übereinstimmen, weil sich in der Zwischenzeit andere Virusstämme durchgesetzt haben. Zum anderen können sich zirkulierende Viren im Verlauf der Saison ändern. Außerdem kann es bei der Herstellung des Impfstoffs zu genetischen Veränderungen beim Impfstamm kommen.

Naturheilkundliche Behandlungsmöglichkeiten

Wie der Volksmund zu sagen pflegt, dauert eine Erkältung mit Behandlung sieben Tage und ohne Behandlung eine Woche. Trotzdem ist jeder, den die Erkältungswelle überrollt hat, dankbar, wenn er probate Mittel zur Hand hat, die ihm schnell helfen können, die lästigen Symptome zu überwinden.

Grundsätzlich ist der grippale Infekt symptomatisch zu behandeln. Antibiotika sind bei viralen Erkältungskrankheiten nicht sinnvoll, da sie lediglich bei bakteriellen Infektionen wirken. Eine unsachgemäße Anwendung dieser Medikamente fördert zum einen die stetige Zunahme von Antibiotika-Resistenzen und schädigt zum anderen das darmassoziierte Immunsystem mit seiner gesunden Darmflora, wodurch die nächste Infektion bereits vorprogrammiert ist. Wesentlich vorteilhafter erscheint daher der zeitnahe Einsatz naturheilkundlicher Therapien. Diese können zwar die Erreger nicht unschädlich machen, lindern jedoch die Symptome und aktivieren das Immunsystem. Ziel ist eine schnelle und vollständige Ausheilung. Wirksame Vorbeugestrategien können helfen, mit einer Erkrankung besser fertig zu werden, den Krankheitsverlauf zu verkürzen, Symptome zu mildern oder sogar den Ausbruch zu verhindern. In meiner Praxis hat sich hierzu ein Konzept mit spagyrischen Liquida bewährt.

Schneller Helfer

Zu Beginn der allerersten Anzeichen einer Erkältung empfehle ich den sofortigen Einsatz des homöopathischen Liquidums phöno Gripp (Fa. Phönix) als schnellen Helfer, das sich zusammensetzt aus Aconitum napellus, dem blauen Eisenhut, Echinacea, dem Sonnenhut, Eupatorium perfoliatum, dem Wasserdost und Ferrum phosphoricum, Eisenoxidphosphat. Aconitum ist ein Mittel für den Beginn einer akuten Erkrankung, Echinacea werden immunstimulierende Eigenschaften und Eupatorium perfoliatum antivirale Eigenschaften zugeschrieben. Ferrum phosphoricum ist ein Mittel des ersten Entzündungsstadiums. Die Einnahme erfolgt bei akuten Zuständen initial alle halbe bis ganze Stunde je 5 Tropfen. Alternativ hat sich auch die Gabe des Schüßlersalzes Nr. 3 Ferrum phosphoricum D12 alle halbe Stunde bewährt.

Bei Infektanfälligkeit ist an eine Substitution von Vitamin D3, Zink, Selen, Vitamin C, sowie Omega-3-Fettsäuren zu denken.

Spagyrik zum Auskurieren

Aufgrund des entzündlichen Prozesses verordne ich gleichzeitig das spagyrische Liquidum Hydrargyrum spag. (Fa. Phönix) mit einer Dosierung von 3- bis 4-mal täglich je 20 Tropfen. Hydrargyrum spag. wirkt in allen Körpergeweben antiphlogistisch durch die Förderung des Fließens und des Austausches der Interzellularflüssigkeit und der Lösung von Gewebestauungen.

Klagt der Patient über ein verstärktes Kältegefühl und fröstelt, rate ich zu Kalium nitricum spag. (Fa. Phönix), ebenso in der Dosierung von 3- bis 4-mal täglich 20 Tropfen Das Mittel hat einen erwärmenden Effekt und wird bei akuten Infekten und peripherer Kreislaufschwäche angewendet.

Bei Husten setzte ich Camphora spag. (Fa. Phönix) mit einer Gabe von 3- bis 4-mal täglich 20 Tropfen ein. Der namensgebende Bestandteil Camphora, Kampfer, wirkt auf die Bronchien, in dem er die Atemwege entspannt und das Abhusten von Schleim fördert.

Besteht der Infekt längerfristig und zeigt hartnäckige Symptome, gebe ich Kaolinum spag. (Fa. Phönix). Dieses Mittel fördert die Ausscheidung von Toxinen und hat eine immunmodulierende Wirkung. Die Tagesdosis von 60 Tropfen lasse ich in Wasser füllen und über den Tag verteilt trinken. Außerdem ist Kaolinum spag. noch weitere 3 Tage nach Abklingen der Symptome einzunehmen.

Zusätzlich unterstütze ich die renale Ausscheidung während der gesamten Behandlungsdauer. Dafür kommen zum Beispiel die Präparate Solidagoren Liquid (Fa. Dr. Gustav Klein), 3-mal täglich 30 Tropfen, oder Solidago spag. (Fa. Phönix), 3 x 40 Tropfen täglich, infrage.

Weitere Maßnahmen und Hausmittel

  • Dampfinhalation
    Heißer Wasserdampf befeuchtet die Nasenschleimhäute und löst festsitzendes Sekret. Für ein Kopfdampfbad wird kochendes Wasser in eine große Schüssel gefüllt und der Dampf inhaliert. Dazu beugt man den Kopf über die Schüssel und gibt ein großes Handtuch darüber, damit möglichst wenig Dampf entweichen kann. Als Zusätze eignen sich ätherische Öle wie Thymian oder Kamille oder auch nur ein Kamillentee.
  • Nasenspülung mit Kochsalzlösung
    Hierfür gibt man auf einen Liter lauwarmen Wassers ca. 1 Esslöffel Salz (z. B. Meersalz) und führt mittels einer speziellen Spülflasche eine Nasendusche durch. Nasenspülungen unterstützen die durch den viralen Infekt eingeschränkte Selbstreinigungsfunktion der Nasenschleimhäute.
  • Fußbad
    Ein ansteigendes Fußbad wärmt den Körper, fördert die Durchblutung und regt die Abwehrkräfte an. Dazu stellt man die Füße etwa knöcheltief in eine große Schüssel, die mit ca. 34 °C warmen Wasser gefüllt ist. Während des Fußbades gibt man über einen Zeitraum von 20 Minuten solange heißes Wasser hinzu, bis die Temperatur auf 41 °C Grad angestiegen ist.
  • Salbeitee
    Salbeiblätter enthalten viele ätherische Öle, die eine lindernde Wirkung bei Erkältungskrankheiten und damit verbundenen Halsschmerzen haben. Zur Zubereitung von einer Tasse Tee werden 3–5 frische oder 5–7 getrocknete Blätter mit heißem Wasser übergossen. Der Tee soll zugedeckt 10 Minuten ziehen. Er kann über den Tag verteilt intensiv gegurgelt werden oder man trinkt 2 bis 3 Tassen täglich während der Dauer der Symptome.
  • Quarkwickel
    Bei Halsschmerzen empfiehlt sich ein Wickel mit Quark. Dafür trägt man etwa 500 Gramm zimmerwarmen Quark auf ein Leintuch auf und wickelt es um den Hals. Darüber gibt man einen Schal oder ein dickes Handtuch. Den Wickel solange einwirken lassen, bis der Quark getrocknet ist, Dauer ca. eine Stunde. Quark kühlt und entzieht dem Hals die durch die Entzündung entstandene Wärme. Damit wirkt er abschwellend und entzündungshemmend.
  • Einreibungen
    Durch das Einmassieren von Eukalyptusöl, Thymianessenz oder auch Pfefferminzöl in den oberen Brust- und Rückenbereich kann hartnäckiger Husten gelindert werden.
  • Wannenbad
    Wenn kein Fieber besteht, ist ein heißes Bad in der Wanne mit durchblutungsanregenden Substanzen, z. B. Fichtennadeln, wohltuend und unterstützt das Immunsystem im Kampf gegen die Erreger. Gleichzeitig hilft der heiße Dampf, um wieder befreiter atmen zu können.
  • Wadenwickel
    Kalte Wickel um die Waden entziehen dem Körper Wärme. Wenn sich die Wickel nicht mehr kalt anfühlen, also Körpertemperatur haben, sollen sie abgenommen werden. Werden sie mehrmals hintereinander angelegt, können sie bei Fieber die Körpertemperatur senken. Für die Wickel einfach ein Leintuch in kaltem Wasser tränken – bei Kindern handwarmes Wasser –, auswringen und um die Wade legen. Darüber wird ein großes, trockenes Baumwolltuch gewickelt.
  • Lindenblüten- oder Holunderblütentee
    Ein Tee aus Linden- oder Holunderblüten wirkt reizlindernd, schweißtreibend und entzündungshemmend. Zur Zubereitung 2 Teelöffel der Blüten mit heißem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Nach dem Trinken im Bett schwitzen.

Eckpfeiler für ein starkes Immunsystem

  • ausreichende tägliche Trinkmenge gemäß der Faustregel für Gesunde von 35 Milliliter Wasser, am besten Quellwasser, pro Kilogramm Körpergewicht
  • ausgewogene, naturbelassene und regelmäßige Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse aus nachhaltigem Anbau, die in Ruhe verzehrt wird
  • genügend erholsamer Schlaf von ca. 8 Stunden
  • tägliche Bewegung an der frischen Luft
  • moderater Ausdauersport zur Anregung der Durchblutung, des Stoffwechsels und des Immunsystems; optimalerweise im Freien, z. B. Laufen, Nordic Walking, Schwimmen und Radfahren
  • regelmäßige Saunagänge oder Wechselduschen; mit warmem Wasser beginnen und anschließend mit kaltem Wasser erst das rechte, dann das linke Bein, darauffolgend den rechten Arm, den linken Arm und zum Schluss Rücken, Brust und Gesicht duschen
  • anhaltende Stresssituationen vermeiden; chronische Stressoren bewirken eine Suppression von zellulären und humoralen immunologischen Parametern, was zu einer Erhöhung der Anfälligkeit von Krankheiten führt
  • Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen

Fazit

Auch wenn eine Erkältung eine per se harmlose Infektion darstellt, sollte ein ausgewogenes Behandlungskonzept in keiner Naturheilpraxis fehlen. Mit natürlichen Maßnahmen und spagyrischen Arzneimitteln stehen bewährte Behandlungsmethoden zur Verfügung, die in der Regel den Einsatz von allopathischen Medikamenten überflüssig machen.

Literatur

  1. Foxman, E. F. et al.: Temperature-dependent innate defense against the common cold virus limits viral replication at warm temperature in mouse airway cells. In: PNAS 2015, 112 (3) 827-832
  2. Griffin, D. E. et al.: Fields Virology. 5. Aufl., Philadelphia: Lippincott Williams & Wilkins; 2007
  3. Harnack von, G.-A. et al.: Kinder- und Jugendmedizin. 13. Aufl., Heidelberg: Springer-Medizin-Verlag; 2007
  4. Krieger Susann: Pathologie-Lehrbuch für Heilpraktiker. 6. Aufl., Stuttgart: Haug Verlag; 2011
  5. Phönix Laboratorium GmbH: http://www.phoenix-lab.de
  6. Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 261. Aufl. Berlin: de Gruyter; 2007
  7. Robert Koch-Institut: www.rki.de: Grippeschutzimpfung