Ein Anticholinergikum hemmt die Wirkung des Neurotransmitters Acetylcholin im parasympathischen Nervensystem. Anticholinergika führen unter anderem zu einer Abnahme des Tonus der glatten Muskulatur des Magen-Darm-Trakts, der Bronchialmuskulatur und der ableitenden Harnwege. Darum werden sie häufig zur Therapie einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder einer überaktiven Blase eingesetzt. Die anticholinerge Wirkung wird auch beim Morbus Parkinson, bei Depressionen und Krampfleiden eingesetzt. Eine häufige Nebenwirkung von Anticholinergika ist die Mundtrockenheit.
Mediziner aus England untersuchten nun in einer großen Fall-Kontroll-Studie – alle Probanden waren 55 Jahre und älter –, ob eine Langzeitbehandlung mit Anticholinergika das Risiko einer Demenz begünstigt. Ergebnis: Eine anticholinerge Langzeittherapie kann die kognitive Leistungsfähigkeit kurz- und langfristig beeinträchtigen und das Demenzrisiko erhöhen. Ein überraschendes Ergebnis war das gesteigerte Risiko von vaskulären Demenzen neben der Demenz vom Alzheimer-Typ. Die Studienergebnisse legen nahe, die Anticholinergika-Exposition bei Patienten mittleren und höheren Alters zu beschränken.