Forschungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Umwelt sehr wohl Einfluss auf unser Erbgut hat, diesem gleichsam einen Stempel aufdrücken kann. Man spricht hier bildhaft von Prägung. Auf diese Weise kann eine Erfahrung, die wir als Kind oder  als erwachsener Mensch machen, sehr wohl Eigenschaften unserer Nachfahren beeinflussen.

Am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert lebte in Frankreich der Biologe Jean-Baptiste de Lamarck. Dieser glaubte, dass Tiere und Menschen die im Lauf ihres Lebens erworbenen Eigenschaften an ihre Nachkommen vererben könnten. So sollten Giraffen von Generation zu Generation längere Hälse bekommen, da sie sich nach den saftigen Zweigen hoher Bäume streckten. Tatsächlich ist es andersherum: Giraffen mit längeren Hälsen kommen besser an die saftigen Zweige und können dadurch mehr Nachwuchs bekommen, an die sie die Eigenschaft „langer Hals“ vererben. Eine Erklärung dafür lieferte erstmals Lamarcks Konkurrent Charles Darwin. Der Brite glaubte daran, dass die Natur unendlich viele und zufällige Merkmalskombinationen hervorbringt und dann die begünstigt, die am besten an die Umwelt angepasst sind. Heute wissen wir, dass Darwin Recht hatte und dass unsere Eigenschaften in den Genen verschlüsselt sind. Diese erben wir von unseren Eltern und geben sie an unsere Kinder weiter – ohne dass wir sie durch unsere Lebensführung beeinflussen können, etwa durch Sport oder die Aneignung von Wissen.