„Meine Monatsblutung kommt immer unregelmäßiger und ist sogar schon über Monate ausgeblieben. Dann plötzlich setzt sie wieder ein und zwar so heftig, dass ich mich kaum noch aus dem Haus traue. Von einem auf den anderen Tag habe ich mit Hitzewallungen und Schweißausbrüchen zu kämpfen. Nachts wache ich grundlos auf und finde nicht wieder in den Schlaf. Tagsüber bin ich schlecht gelaunt und teilweise depressiv. Ich glaube, ich bin im Wechsel.“ So oder so ähnlich klingen Aussagen von Frauen im Alter um die 50. Auch heute noch hadern viele Frauen mit sich selbst, fühlen sich minderwertig und denken sogar, dass wechseljahresbedingte Beschwerden krankhaft seien.

Das Klimakterium, die sogenannten Wechseljahre der Frau, ist keine Krankheit, sondern ein ganz natürlicher Zustand, ebenso wie die Pubertät oder eine Schwangerschaft. Das Wort Klimakterium stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Stufenleiter, kritischer Punkt im menschlichen Leben“. Gemeint ist die mehrere Jahre andauernde Übergangsphase von der Zeit der Geschlechtsreife, der fruchtbaren Phase, bis zum Erlöschen der ovariellen Hormonproduktion, in der keine Schwangerschaft mehr möglich ist. Die meisten Frauen durchleben das Klimakterium zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr, wobei große individuelle Schwankungsbreiten bestehen. Ein Climacterium praecox liegt vor, wenn die ovariellen Follikel (Eibläschen) bereits vor dem 40. Lebensjahr erschöpft sind und die Ovarialfunktion erloschen ist.

Phasen

Das Klimakterium wird in verschiedene Phasen eingeteilt. Die Prämenopause bezeichnet den Zeitraum vor der letzten Blutung und liegt meist zwischen dem 45. und 50. Lebensjahr. Die Hormonproduktion der Eierstöcke lässt langsam nach. Erste Anzeichen sind häufig Veränderungen des Menstruationszyklus. Die Blutungen werden stärker oder schwächer, die Abstände dazwischen länger oder kürzer. Es kann sogar zu Abständen von einigen Monaten kommen, bis die Blutungen dann ganz aufhören. Die Menopause ist der Zeitpunkt der letzten Regelblutung und gilt, wenn ein Jahr lang keine Menstruation mehr aufgetreten ist und die Eierstöcke ihre Produktion endgültig eingestellt haben. Mit dem abschließenden Ausbleiben der Regelblutung endet die fruchtbare Zeit im Leben einer Frau. Das durchschnittliche Alter liegt bei ca. 51 Jahren. Die Perimenopause ist der Zeitraum vor und nach und somit um die letzte Blutung herum. Etwa zwölf Monate nach der letzten spontanen Menstruation beginnt die Postmenopause.

Ursachen

Während der fruchtbaren Jahre produzieren die monatlich heranreifenden Follikel vermehrt das Hormon Östrogen – stimuliert durch das luteinisierende Hormon und das follikelstimulierende Hormon (Steuerhormone der Hirnanhangsdrüse). In der ersten Zyklushälfte steigt der Östrogenspiegel, während nach dem Eisprung, in der zweiten Zyklushälfte, die Produktion von Progesteron in den Eierstöcken zunimmt, ein vom Corpus luteum (Gelbkörper) gebildetes Gelbkörperhormon. Um das 40. Lebensjahr kommt es zu Organveränderungen in den Ovarien. Die Zahl der dort bereitstehenden Eibläschen nimmt kontinuierlich ab, da ihre Anzahl festgelegt und endlich ist. Sie können auch nicht neu gebildet werden. Nachdem jeden Monat eine Eizelle heranreift, um dann entweder befruchtet oder in Form der Monatsblutung ausgestoßen zu werden, leeren sich die Speicher im Laufe der Jahre zunehmend. Die Follikel verarmen und die Gefäße sklerosieren. Die Produktion von Progesteron nimmt langsam ab. Die Konzeptionsfähigkeit ist vermindert und die Anzahl anovulatorischer Zyklen trotz regelmäßiger Menstruation steigt.

Die Eierstöcke sezernieren anfangs weiterhin ausreichend Östrogen, was zum Wachstum der Gebärmutterschleimhaut führt. Dieses relative Zuviel an Östrogen wird auch als Östrogendominanz bezeichnet, weil das regulierende Progesteron nur noch in einem geringeren Anteil vorliegt. Im späteren Verlauf des Klimakteriums nimmt auch die Östrogenproduktion beständig ab. Die Ovarien sprechen nicht mehr adäquat auf die dadurch reflektorisch vermehrt gebildeten Gonadotropinen an, die dem Wachstum der weiblichen Keimdrüsen dienen. Schließlich erlischt die zyklische Ovarialfunktion bis hin zur letzten Regelblutung.

Symptome und Verlauf

Während der hormonellen Umstellung können vielfältige Symptome auftreten. Je ein Drittel der Frauen haben keine, leichte oder ausgeprägte Beschwerden. Insgesamt wird das klimakterische Syndrom in erster Linie durch die anfangs bestehende Östrogendominanz ausgelöst. Zu den häufigsten Beschwerden zählen vor allem prämenopausale Blutungsstörungen, vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche, Libidomangel sowie Schleimhautatrophie im Urogenitalbereich. Die verminderte Elastizität und Schrumpfungsprozesse führen oft zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr mit Neigung zu Scheidenentzündungen. Weitere Beeinträchtigungen können sein: Schlafstörungen, innere Unruhe als Ausdruck für eine Zeit des Umbruchs, Leistungsabfall, vermehrte Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Nervosität, depressive Verstimmungen, oftmals bedingt durch die Angst vor dem Älterwerden und dem Fruchtbarkeitsverlust sowie Schwindel, Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen. Außerdem kann es zu Herzrhythmusstörungen und Harnwegsbeschwerden mit Stressinkontinenz kommen, zu fleckigen Hautrötungen an Kopf und Hals, trockenen Schleimhäuten von Mund, Auge und Scheide sowie Wassereinlagerungen und Gewichtszunahme. Langfristig kann der Östrogenmangel das Auftreten einer Osteoporose begünstigen und das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Arteriosklerose erhöhen.

Auch psychische Faktoren sowie die individuellen Lebensumstände können das Wohlbefinden sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Oftmals gesellen sich zu den Wechseljahren weitere Wechsel. Die Kinder werden selbstständig und gehen ihre eigenen Wege. Plötzlich ist das Haus leer und die Kinderzimmer sind verwaist. Es bleibt wieder mehr Zeit für die Partnerschaft. Dies kann eine Beziehung stärken, es kann aber auch zu einer echten Herausforderung werden. Auch beruflich kann sich einiges ändern. Manche Frauen haben den Höhepunkt ihrer Karriere bereits überschritten, andere steigen nach der Kindererziehung wieder ein in die Arbeitswelt, wieder andere orientieren sich beruflich um und wagen etwas vollkommen Neues.

Behandlung

Grundsätzlich ist der Übergang von einer weitgehend uneingeschränkten Ovarialfunktion in der Prämenopause zum Sistieren der ovarialen Östrogensynthese in der Postmenopause ein physiologischer Prozess, der eine Behandlung nicht zwingend erforderlich macht. Die durch den Östrogenmangel bedingten Beschwerden vermindern sich auch ohne Therapie meist nach 1–2 Jahren in der Postmenopause deutlich. In schweren Fällen mit sehr starken klimakterischen Beschwerden kann dennoch eine klassische schulmedizinische Hormonersatztherapie in Frage kommen, die vorzugsweise als lokale Therapie eingesetzt werden sollte. Allerdings ist diese mit einer Reihe von Erkrankungsrisiken verbunden wie insbesondere zerebrale Insulte, thromboembolische Ereignisse, Erkrankung der Gallenblase und Mammakarzinome. Daher sollte ihr Einsatz nur nach ausführlicher Aufklärung über Nutzen und Risiken erfolgen.

Naturheilkundliche Möglichkeiten

Viele Frauen wünschen sich, während ihrer Wechseljahre auf eine sanfte Art begleitet zu werden. Dazu stehen ausreichend natürliche Rezepte zur Verfügung, die sowohl die körperlichen als auch die seelischen Beschwerdebilder in individuellen Therapieansätzen vereinen können.

Homöopathische Wechseljahreskur

Als Basistherapie zur Gewebeumstimmung hat sich in meiner Praxis die homöopathische Präparatekombination Juv 110-K I-VI (Fa. Phönix), auch bekannt als sogenannte „Wechseljahreskur“, bewährt. Diese Kombination besteht aus sechs verschiedenen Globulipräparaten (I-VI) mit je zwei Bestandteilen aus dem Pflanzenreich, welche auch in der Juv 110 Injektionslösung enthalten sind. Das Präparat I setzt sich zusammen aus Extrakten des Baumes Gallae turcicae (türkische Galle) sowie Raphanus sativus var. niger (schwarzer Rettich), Präparat II aus den Baumrinden von Prunus padus (Traubenkirsche) und Ulmus campestris (Feldulme), Präparat III aus der Baumrinde von Fraxinus americana (Weißesche) und Baumteilen von Thuja occidentalis (abendländischer Lebensbaum), Präparat IV aus Bestandteilen des Baumes Haematoxylon campechianum (Blutholz) und Viscum album (Mistel), Präparat V aus Marsdenia cundurango (Kondurangostrauch) und Scrophularia nodosa (knotige Braunwurz) sowie Präparat VI aus der Baumrinde von Acer negundo (eschenblättriger Ahorn) und Lycopodium clavatum (Bärlappkraut). Die einzelnen Komplexmittel werden im täglichen Wechsel von Nummer I bis VI mit einer Dosierung von 3-mal täglich je 10 Streukügelchen eingenommen. Das Besondere an dieser Kur ist, dass die 12 Bestandteile auf 6 Präparate verteilt sind und die Einnahme täglich wechselt. Daher kann die Kombination auch über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden, ohne dass ein Gewöhnungseffekt eintritt.

Spagyrik

Bei Wechseljahresbeschwerden mit nervösen Erregungs- und depressiven Verstimmungszuständen empfehle ich das spagyrische Liquidum Cimicifuga spag. (Fa. Phönix). Der Hauptbestandteil Cimicifuga racemosa, auch bezeichnet als Traubensilberkerze, Silberkerze oder Wanzenkraut, stammt aus der Indianermedizin Nordamerikas. Arzneilich verwendet wird der Wurzelstock der Pflanze. Er gilt als das pflanzliche Medikament bei Frauenleiden und klimakterischer Symptomatik bedingt durch Östrogenmangel. Cimicifuga racemosa wirkt regulierend auf das Hormonsystem und hat eine schwach östrogene Wirkung. In der Spagyrik kann die Silberkerze dem Mond und somit auch dem zentralen Nervensystem und dem endokrinen System zugeordnet werden.

In Kombination dazu verordne ich Argentum spag. (Fa. Phönix), das insbesondere bei Hitzewallungen, Uterusspasmen, Nervosität, Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen zum Tragen kommt. Der namensgebende Bestandteil ist eine Silberzubereitung, die ebenso wie die Silberkerze für lunare Kräfte steht und die Vorgänge im menschlichen Körper fördert, die in der Nacht aktiver sind. Dazu zählen die Entgiftungsfunktion der Leber und die Tätigkeit der Zirbeldrüse mit der Produktion von Melatonin, einem Schlafhormon. Beide Mittel verordne ich jeweils in der Regeldosierung von 3-mal täglich 20 Tropfen. Sie sollten über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Phytotherapie

Die Pflanzenheilkunde bietet mit weiteren Heilpflanzen eine Fülle von Möglichkeiten, die hormonelle Situation, je nach Typus und Konstitution, individuell zu unterstützen. Zur Linderung von allgemeinen Wechseljahresbeschwerden haben sich verschiedene Teemischungen bewährt, bestehend zum Beispiel aus Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) und Schafgarbe (Achillea millefolium), sowie Tees zur gezielten Milderung von einzelnen Symptomen. Dazu gehören unter anderem Johanniskraut (Hypericum perforatorum) zur Stimmungsaufhellung, Hopfenblüten (Humulus lupulus), Baldrian (Valeriana officinalis) und Melisse (Melissa officinalis) bei Schlafstörungen, Salbei (Salvia officinalis) bei vermehrter Schweißneigung und Weißdorn (Crataegus) bei nervös bedingten Herzbeschwerden. Die wilde Yamswurzel (Dioscorea) enthält Diosgenin, woraus durch chemischen Abbau das Gelbkörperhormon Progesteron gewonnen werden kann. Die Wurzel per se wirkt auch progesteronähnlich und hormonregulierend. Vorzugsweise wird sie in der Prämenopause in der zweiten Hälfte des Monatszyklus eingesetzt, um dem dort bestehenden Progesteronmangel entgegenzuwirken. Die präferierte Anwendung ist äußerlich als Creme, die auf der Oberschenkelinnenseite aufgetragen wird.

Phytoöstrogene

Isoflavone und Lignane sind sekundäre Pflanzenstoffe, die auch als Phytoöstrogene bezeichnet werden. Ihre chemische Struktur ähnelt dem menschlichen Östrogen. Daher entfalten diese Stoffe auch eine hormonähnliche Wirkung und können somit klimakterisch bedingte Beschwerden mildern. Besonders reich an Isoflavonen sind Sojabohnen und deren Produkte wie Sojamilch, Sojajoghurt und Tofu. Fermentationsprozesse, wie bei der Herstellung von Miso oder Tempeh aus Soja, können die Konzentration an Phytoöstrogenen erhöhen und die Bioverfügbarkeit verbessern. Auch Rotklee (Trifolium pratense) enthält Isoflavon. Lignane finden sich vor allem in Leinsamen und in geringeren Mengen unter anderem auch in Kürbiskernen, Erdbeeren, Oliven, schwarzem Tee, Sonnenblumenkernen, Hülsenfrüchten, Hafer- und Weizenkleie, Hopfen, Gerste, Nüssen sowie in weiteren Gemüse- und Obstsorten. Von Asiatinnen, die sich traditionell ernähren und regelmäßig Sojaprodukte verzehren, wird berichtet, dass sie kaum unter Wechseljahresbeschwerden leiden. Es wird jedoch kontrovers diskutiert, ob bzw. inwieweit diese Beobachtung tatsächlich auf eine sojareiche Ernährung zurückzuführen ist. Allerdings ist nach einer Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung die längerfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem hohen Gehalt an Isoflavonen in isolierter Form und hoher Dosierung nicht ohne Risiko. Zudem sei eine negative Wirkung hoher Phytoöstrogengaben auf das Brustgewebe nicht auszuschließen.

Weitere natürliche Rezepte

  • Körperpflege
    Durch den sinkenden Östrogenspiegel werden sowohl Haut als auch Schleimhaut trockener. Daher dürfen die Pflegemittel nun reichhaltiger sein, um die Zellerneuerung anzukurbeln und die Nährstoffversorgung der Haut zu verbessern.
  • Ernährung
    Der Fokus der Lebensmittelauswahl sollte auf eine basenbetonte, pflanzenreiche und vollwertige Kost gelegt werden, die mit natürlichen Phytoöstrogenen angereichert werden kann. Auf diese Weise können viele gesundheitsfördernde Nahrungsstoffe wie Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe aufgenommen werden.
  • Basenanwendungen
    Die hormonelle Umstellung betrifft auch den Stoffwechsel. Bleibt die Monatsblutung aus, entfällt deren reinigende Wirkung. Es kann zu einer Übersäuerung im Körper kommen, die das allgemeine Wohlbefinden erheblich stören kann. Regelmäßig durchgeführte Bäder mit basischen Salzen sind ein probates Mittel, Säuren über die Haut aus dem Körper zu schwemmen.
  • Bewegung und Entspannung
    Sportliche Aktivitäten und Bewegung helfen vielen Frauen, sich (wieder) mobiler und attraktiver zu fühlen. Frauen, die sich zu wenig bewegen, haben meist stärkere Wechseljahresbeschwerden und sind zudem häufiger übergewichtig. Aber auch das Gegenteil, die Entspannung, wie autogenes Training oder Yoga, können für einen harmonischen Ausgleich sorgen.
  • Annehmen, was ist
    Die Wechseljahre zeigen Frauen in besonderem Maße, dass nichts bleibt, wie es ist. Daher ist wichtig, anzunehmen, dass ein neuer Lebensabschnitt beginnt, der viele Chancen bietet und auch einen Neustart bedeuten kann. Dies kann ein Wechsel sein hin zu einem sportlich aktiven Verhalten, zu einer Ernährungsumstellung für die eigene Vitalität und Gesundheit, zu einer Freizeitgestaltung mit Zeit für sich, die eigenen Wünsche und für ein erfülltes soziales Miteinander.

Fazit

Eine naturheilkundliche Begleitung kann vielen Frauen ermöglichen, unbeschwert durch den Prozess der Wechseljahre zu gehen. Geistige, seelische und körperliche Aktivität wirkt zudem unterstützend, diese Zeit des Wandels gelassen auszubalancieren.

Literatur

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2007). Isolierte Isoflavone sind nicht ohne Risiko. Akt. Stellungnahme Nr. 039/2007
  2. Faller Adolf: Der Körper des Menschen. 13. Aufl., Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 1999
  3. Krieger Susann: Pathologie Lehrbuch für Heilpraktiker. 6. Aufl., Stuttgart: Haug Verlag; 2011
  4. Ortmann O., Lattrich C.: The treatment of climacteric symptoms. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(17): 316–24. DOI: 10.3238/arztebl.2012.0316
  5. Phönix Laboratorium GmbH: http://www.phoenix-lab.de
  6. Wikipedia: www.wikipedia.de