Die Regulierung einer gestörten Darmbarriere ist ein lohnendes Unterfangen. Liegt doch vielen chronischen Erkrankungen dieser Pathomechanismus zugrunde. Für den anhaltenden Erfolg ist die Mitarbeit des Patienten unerlässlich.

Anders als eine akute Entzündung tritt die sogenannte „Silent Inflammation“ ohne Akutsymptome wie Rötung, Fieber, Schmerz und Schwellung auf. Deswegen bleibt sie oft unerkannt, und daher stammt auch der Name. Die Entzündungsmarker im Blut sind, wenn überhaupt, meist nur leicht erhöht. Die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG), die leider nur noch selten bestimmt wird, kann hier einen Hinweis geben, nämlich wenn diese erhöht ist und das CRP im Normbereich liegt. Jahrelang im Verborgenen liegend, beanspruchen die schwelenden Herde unser Immunsystem, denn um den Entzündungsprozess einzudämmen, arbeitet dieses permanent. So fehlt ihm teilweise die Durchschlagskraft, andere Krisenherde im Zaum zu halten. Die stille Entzündung gilt deshalb als einer der Hauptgründe für die Entstehung insbesondere von chronischen Krankheiten. Hauptursache einer stillen Entzündung sind bakterielle Lipopolysaccharide (LPS), die aufgrund einer gestörten Darmbarriere ungehindert in den Blutkreislauf einströmen und so die Entzündungsfaktoren im Körper hochregulieren. Das LPS ist Bestandteil der Zellwand gramnegativer Bakterien. Sterben die Bakterien ab, wird das LPS, auch als Endotoxin bekannt, aus der Zellwand freigesetzt. Eine Permeabilitätsstörung der Darmschleimhaut (Leaky-Gut-Syndrom) durch eine Dysbiose der intestinalen Mikrobiota kann zu einem erhöhten LPS-Einstrom führen. Treten die Endotoxine in Form des LPS in den Blutkreislauf über, kommt es zur Endotoxinämie. Bereits bei geringen Endotoxin-Konzentrationen im Blut schüttet der Körper proinflammatorische Zytokine aus. Einem großen Teil der Erkrankungen, mit denen sich ein niedergelassener Arzt heute konfrontiert sieht, liegt dieser Pathomechanismus der oben beschriebenen Entzündungsprozesse zugrunde.