Schwerpunkt
Naturheilpraxis 09/2020

Endocannabinoid-Mangel bei Reizdarm beachten

Fehlen Botenstoffe im Körper, geht dies meist mit Erkrankungen oder Beschwerden einher. Das gilt auch für das Endocannabinoid-System: Ein Mangel an Endocannabinoiden soll beim Reizdarmsyndrom eine Rolle spielen.

Ein Beitrag von Sebastian Vigl
Lesezeit: ca. 7 Minuten
Emily frost / shutterstock.com

Reizdarm (synonym: Irritables Darmsyndrom (IDS), Reizdarmsyndrom, englisch: irritable bowel syndrome (IBS)) ist eine häufige Darmerkrankung, an der bis zu 20 Prozent der Bevölkerung in westlichen Ländern leiden. Betroffene berichten von Unwohlsein und Schmerzen im Bauchraum sowie Veränderungen der Entleerung, Häufigkeit und Konsistenz des Stuhls. Die Diagnose kann erst gestellt werden, wenn die ärztliche Untersuchung andere Erkrankungen des Darms, der Leber und Sorbit- oder Gluten-Unverträglichkeiten ausschließen kann. Die genauen Ursachen für das Reizdarmsyndrom sind unklar. Verschiedene Faktoren beeinflussen das Entstehen und die Prognose der Beschwerden. Dazu zählen unter anderem eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit und Bewegungsstörungen des Darms, Umwelteinflüsse, Stress, Gluten-Sensitivität, Störungen der Darmflora (Dysbiose), Medikamenteneinnahme (zum Beispiel Antibiotika), Diabetes mellitus und Regulationsstörungen des Immunsystems. Leider führt die Berücksichtigung dieser Faktoren in vielen Fällen nicht zur Beschwerdefreiheit. Einen neuen Ansatzpunkt für die Therapie des Reizdarms bietet das sogenannte Endocannabinoid-System.

Das Endocannabinoid-System als Wächter der Homöostase

Vor drei Jahrzehnten entdeckten Wissenschaftler das Endocannabinoid-System, das eine zentrale Rolle bei der Regulation von vielen Körpervorgängen spielt. Es sorgt für ein Gleichgewicht der physiologischen Körperfunktionen im zentralen Nervensystem, in der Haut, im Immunsystem, im Bindegewebe und in den Knochen. Es beeinflusst unter anderem Schmerzwahrnehmung, Gedächtnis, Verarbeitung von Angst und Stress, Stimmungslage, Appetit, Übelkeit, Körpertemperatur, Schlaf, Abwehrleistung, Entzündungsvorgänge und Krebsabwehr. Aufgrund seiner Vielseitigkeit ist es nicht nur ein essenzieller Faktor für unsere Gesundheit, sondern liefert bei vielen Erkrankungen auch neue therapeutische Ansätze. Das Endocannabinoid-System besteht aus einer Reihe von Botenstoffen (Endocannabinoide) und spezifischen Rezeptoren. Die wichtigsten Endocannabinoide heißen Anandamid und 2-Arachidonyl-Glycerin (2-AG), die beiden bekanntesten Rezeptoren CB1-R und CB2-R. Sie finden sich im ganzen Körper (siehe Tab. 1).

Lesen Sie den vollen Artikel in

Naturheilpraxis 09/2020

Erschienen am 01. September 2020