Hahnemann hat in seinem Organon nicht nur detailliert die Anwendung des homöopathischen Heilverfahrens beschrieben, sondern implizit auch seine Sicht auf die Gesunderhaltung des Menschen formuliert. Mittels einer Zusammenschau der relevanten Paragrafen lässt sich ein Verständnis ableiten, das über konkrete Krankheitsfälle hinausgeht und in dem die einzelnen Aspekte der Gesunderhaltung zusammenwirken. Weil Hahnemann nur die Methoden seiner Zeit zur Verfügung standen, stellt sich die Frage, inwieweit seine grundlegenden Ansichten in der heutigen Zeit Gültigkeit besitzen. Insbesondere bleibt zu klären, ob sich Hahnemanns Haltung gegenüber einer schulmedizinischen Behandlung durch deren Fortschritte im Lauf der Jahrhunderte verändert hätte.

Utopie dauerhafter Gesundheit

Jeder Therapeut sollte eine Vorstellung davon gewinnen, unter welchen Bedingungen Gesundheit erhalten oder wiederhergestellt werden kann. Eingebettet in ein Konzept, das vom konkreten Krankheitsfall abstrahiert, ergibt sich daraus ein umfassendes Gesundheitsvorsorgesystem. Ein System, das allen Menschen dauerhaft Gesundheit ermöglicht, ist als Utopie zu betrachten. Dennoch erscheint es sinnvoll, sich dieser Utopie weitestgehend anzunähern, um die Lebensqualität des Einzelnen und damit auch die der Gesamtheit zu verbessern. Unterstellt wird an dieser Stelle, dass sich alle darin einig sind, Gesundheit überhaupt als höchstes Gut zu betrachten.