Das menschliche Auge fasziniert – und das schon seit Jahrtausenden. Im antiken Ägypten finden wir viele Darstellungen des Auges, u. a. das Horus-Auge und das Auge des Re. Diese Darstellungen haben häufig eine tiefe Symbolik im Bereich von Mythologie und Medizin, oft verbunden mit magischen Vorstellungen. Im alten China wurde das Auge bereits zur medizinischen Diagnostik genutzt, wenn auch nicht im Sinne der heutigen Augendiagnose.

In diesem und den folgenden zwei Beiträgen werden wir vom Arbeitskreis für Augendiagnose Josef Angerer einige Kolleginnen und Kollegen zu Wort kommen lassen, die ebenfalls der Faszination des menschlichen Auges erlegen sind. Sie werden uns an ihrer Motivation und ihren persönlichen Erfahrungen mit dieser Methode in der Praxis teilhaben lassen, aber auch Fragen und Probleme ansprechen. Zu Beginn lassen wir diejenigen zu Wort kommen, die noch am Anfang ihrer Praxistätigkeit stehen.

Faszination der Aussagekraft

Einmal von der Schönheit und der Aussagekraft des menschlichen Auges in den Bann gezogen, kommt man so schnell nicht mehr davon los. „Das Auge ist lebendig, es hat durch seine Schönheit auch einen Bezug zur Kunst [siehe Abb. 1, Anm. d. Verf.], daher spricht es auch so an“, erzählte mir M. in einem Gespräch, das ich mit zwei frisch geprüften Heilpraktikerinnen führte. „Über das Auge können wir als Therapeuten quasi etwas über den Patienten lesen, über sein Erbe, seine Konstitution.“