Im Jahr 2015 hatte ich einen schweren Schlaganfall. Ich brauchte mehr als zwei Jahre, um mich einigermaßen an die Situation zu gewöhnen. Die nächsten zwei Jahre brauchte ich wiederum, um halbwegs angemessen mit dem Defizit umzugehen, das ich durch den Schlaganfall erlitten hatte. Der Beitrag zeigt, wie ich lernte, einen Kampf gegen mich selbst in ein Üben mit mir selbst zu verwandeln.

Am Anfang dachte ich, ich müsste nur genügend üben, um möglichst schnell mein Defizit ausgleichen zu können. Dieser Versuch endete regelmäßig in großer Verzweiflung, da ich immer wieder überfordert war. Nach sechs Monaten kam ich dann schließlich auf die Idee, dass die Lösung meines Problems möglicherweise gar nicht im Ausgleichen des Defizits zu suchen ist, sondern eher in der Art und Weise, wie ich selbst mit diesem Defizit umgehe.

Gesundes Selbstgefühl

Vor einiger Zeit las ich zufällig einen Beitrag des dänischen Psychologen Jasper Jul, in dem dieser erwähnte, dass es eine innere Haltung gäbe, die er „gesundes Selbstgefühl“ nannte. Er beschreibt dieses als ein Gefühl, das von Wohlwollen gegenüber sich selbst, seinen Werten und Gefühlen gezeichnet ist. Wobei er deutlich zwischen Selbstwert und Selbstgefühl bzw. Selbstliebe unterscheidet. Selbstwert hat – im Gegensatz zu Selbstgefühl – bei den meisten Menschen etwas mit Leistung zu tun.