Die Selbsteinschätzung des Hörvermögens weicht oft erheblich von den Ergebnissen audiometrischer Befunde ab. Fast ein Drittel der Personen, die als mäßig schwerhörig einzustufen sind, schätzen sich selbst nicht als schwerhörig ein. Das hat eine Querschnittsanalyse der britischen ELSA-Studie zu Problemen im Alter ergeben, bei der die Eigenangaben zum Hörvermögen von knapp 10 000 Probanden zwischen 50 und 89 Jahren mit audiometrischen Messungen verglichen wurden. Die Teilnehmer sollten ihre Hörfähigkeit auf einer Fünf-Punkte-Skala einordnen. Die Selbsteinschätzung wurde mittels Hörscreening überprüft, bei dem den Probanden zwei standardisierte Töne in je drei Lautstärken vorgespielt wurden. Als mäßig schwerhörig wurde eingestuft, wer Töne von 35 dB mit dem besser hörenden Ohr nicht mehr wahrnehmen konnte. Als mittelschwerer bis schwerer Hörverlust galt das Nichthören von 55 dB. Von den als mäßig schwerhörig eingestuften Teilnehmern hatten sich 30 Prozent nicht als schwerhörig eingeschätzt. Vor allem Frauen wiesen eine falsche Eigenwahrnehmung des Hörvermögens auf. Zwischen Alter und unbemerkter mittlerer bis starker Schwerhörigkeit gab es ebenfalls eine Assoziation – mit steigendem Alter nahm in der Studie auch das Risiko zu, den eigenen Hörverlust nicht zu bemerken.

Quelle

ÄrzteZeitung. n.rpv.media/1wn