Dass Düfte Emotionen und das Gedächtnis beeinflussen können, ist bereits bekannt. Nun hat auch die Schmerzforschung die Wirkung von Düften für sich entdeckt: Da die Schmerzwahrnehmung ein komplexes Konstrukt ist, das von zahlreichen kognitiven Prozessen und Lernmechanismen beeinflusst wird, lässt sie sich mit Düften auf verschiedenen Ebenen manipulieren. Die Nozizeption ist nur ein Teil dieses komplexen Konstrukts, und es ist bekannt, dass Schmerz nicht proportional zur Nozizeption ist. In einer Pilotstudie mit Patienten mit chronischen Rückenschmerzen konnte die Schmerzschwelle durch Geruchstraining mit angenehmen Düften signifikant erhöht werden. Die strukturierte vierwöchige Exposition gegenüber angenehmen Düften beeinflusste die Erkennung neu erfahrener schmerzhafter Reize positiv, während die Erkennung nicht schmerzhafter Reize konstant blieb. Die Forscher sehen in der Dufttherapie großes Potenzial zur Desensibilisierung für Schmerz und eine Möglichkeit, die Spirale der Schmerzchronifizierung zu durchbrechen. Größere verblindete, placebokontrollierte Studien, die die Ergebnisse dieser Pilotstudie verifizieren sollen, werden bereits durchgeführt.