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Naturheilpraxis 02/2021

Dr. Anita Kracke ist 80 Jahre alt geworden

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Ink Drop / shutterstock.com

„Im Alter ist man für jede Entlastung dankbar“. Dieser Satz wird von Anita Kracke immer wieder bei allen erdenklichen Anlässen in einem näselnden Norddeutsch angebracht; er gilt für scheinbar alles – nur nicht für sie selbst.

Anita Kracke wurde 1941 als Landkind auf einem Bauernhof in Otterndorf geboren. Sie wuchs auf einem abgeschiedenen Gehöft auf, mit Stall und allen Tieren sowie Vorräten unter einem Dach. Ihre Welt bestand aus der Familie, dem Vieh und vor allem den Pflanzen. Nach Volksschule, Mittelschule und Gymnasium studierte sie Veterinärmedizin. Anita Kracke empfand die Zeit als wunderbar, sie durfte ausschließlich lernen und musste nicht weiter körperlich arbeiten. Staatsexamen und Promotion erfolgten 1966, danach fand sie Anstellung in einer Großtierpraxis mit parallel voller Familienintegration.

Nach der Heirat erfolgte ein völlig neues Berufsbild als Hausfrau, Mutter von vier Kindern, Gärtnerin und Sekretärin im Ingenieurbüro ihres Mannes. 1978 begann sie für über zwanzig Jahre die Tätigkeit in einer Großtierpraxis, später kamen noch weitere Tierarztpraxen dazu.

Im Jahre 1987 schloss Anita Kracke ihre Ausbildung und Prüfung zur Heilpraktikerin ab, da ihr, nach eigenen Angaben, „die Tiergattung Mensch noch in ihrer Ausübung der Heilkunde fehlte“.

In den neunziger Jahren erwarb sie ein größeres Stück Land in Oiste, welches sie innerhalb von fünf Jahren urbar machte und heute noch von ihr als „meine Parzelle“ bezeichnet wird. Es zeigt ihre Verbundenheit mit der Gärtnerei und im naturheilkundlichen Sinne mit den Pflanzen. Noch heute ist das Gärtnern für sie die schönste Beschäftigung.

Als die Kinder aus dem Hause gingen, arbeitete sie unter anderem in archäologischen Arbeitsgruppen im Landkreis Verden mit. Im Jahre 2000 trat Anita Kracke in die Firma Sanum-Kehlbeck als wissenschaftliche Mitarbeiterin ein, wo sie bis heute tätig ist.

Die Kombination aus Wissenschaft, Verknüpfung der Tier- und Humanmedizin mit der rationalen Phytotherapie sowie dem kritisch gesichteten historischen Schatz der Naturheilkunde unserer Altvordern macht sie als Referentin unglaublich vielseitig und attraktiv. Biochemie, Pleomorphismus nach Enderlein, Erkenntnisse aus der Volksheilkunde, homöopathische Ansätze und wissenschaftliche Pflanzenheilkunde gehen Hand in Hand. Auf dem Gebiet des chronischen Mikrobengeschehens, welches in der Praxis ja weitaus häufiger eine Rolle spielt als akute Infektionen, ist ihr Wissen faszinierend. Ich habe durch Anita Kracke ein ganz anderes Verständnis von Mikroorganismen, parasitären Geschehen, Synergismen, historischen Erregerentwicklungen und damit Diagnose- und Therapieansätzen erfahren, als ich dies jemals in anderen Aus- und Weiterbildungen kennen lernen konnte.

Anita Kracke sagt: „Ich habe immer alles bekommen, worum ich gebeten habe, allerdings kam es oft in einer anderen Gestalt, als ich es mir vorgestellt hatte. Und ich war glücklich, wenn ich es erkennen durfte. Heute darf ich auf Kongresse fahren, um Vorträge und Seminare zu halten. Ich lerne schöne Städte kennen, veröffentliche wissenschaftliche Artikel, mache Therapeutenberatungen und bin überaus glücklich, unglaublich viele Menschen zu kennen – und wenn es teilweise nur am Telefon ist. Ich fühle mich wunderbar beschenkt und geborgen, wofür ich meinem Schöpfer dankbar bin.“

Dr. Anita Kracke bei der Verleihung der Hieronymus Bock Medaille mit Gudrun Zeuge-Germann und Peter Germann Peter Germann

Anita Kracke wurde 2014 mit der „Clemens von Bönninghausen Medaille“ vom BDH ausgezeichnet und 2020 mit der „Hieronymus Bock Medaille“ von PhytAro.

Sie sagte mir einmal: „Ich bin immer noch ein Bauer, wie meine Eltern und Vorfahren, ich liege auf den Knien, genieße die Erde und ihre Früchte und liebe es, beim Läuten der Glocken in Oiste auf meiner Parzelle zu beten, zu danken für den Segen, der mir in Allem zuteilwurde und wird.“

Liebe Anita, ich wünsche Dir alles Gute zum 80. Geburtstag und hoffe, dass Du uns noch lange mit Deinem Wissen bereicherst – und mit Deinen herrlichen ostpreußischen Witzen!

Peter Germann

PhytAro Heilpflanzenschule Dortmund

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Naturheilpraxis 02/2021

Erschienen am 02. Februar 2021