Fachforum
Naturheilpraxis 10/2020

Die Milz – ein stilles Organ mit großer Bedeutung

Die Milz ist ein stilles Organ, welches sich leicht unserer Wahrnehmung entzieht. Selbst bei akuten Infektionskrankheiten antwortet sie höchstens mit einer Anschwellung, die wir nur ertasten können. Daher sind unsere diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen von besonderer Bedeutung.

Ein Beitrag von Claudia Sinclair
Lesezeit: ca. 10 Minuten

In diesem Artikel lege ich die umfassende Wirkung der Milz dar und gehe auf frühdiagnostische Möglichkeiten der europäischen und chinesischen Medizin ein. Den Schwerpunkt lege ich auf augendiagnostische Hinweiszeichen, die ich mit Bildern und Fällen aus meiner Praxis veranschauliche. Im Weiteren beschreibe ich pflanzliche Arzneien und zeige homöopathische Mischungen auf, die ich seit Langem erfolgreich nutze. Im Ergebnis plädiere ich für eine bewusstere Wahrnehmung der Milz und einen effektiven Einsatz naturheilkundlicher Therapien.

Allgemeine Zusammenhänge

Anatomisch gesehen liegt die Milz auf der linken Körperseite und bildet einen Gegenpol zur rechtseitigen Leber. In der Milz ist der Blutkreislaufnicht geschlossen – eine einzigartige Besonderheit im Kreislaufsystem des menschlichen Körpers. Die kleinen Milzarterien münden offen in einen netzartigen Raum (Retikulum, rote Pulpa mit zentrifugalem Blutstrom).Sie ist einblutabbauendes Organ.In ihr öffnen sich die Endothellücken der Kapillaren soweit, dass alte, starre Erythrozyten, Thrombozyten und Leukozyten abgefangen und umgebaut werden. Das freiwerdende Hämoglobin und Eisen wird über die Leber in den enterohepatischen Kreislauf eingeschleust. Die Milzvene fließt gemeinsam mit der Mesenterialvene direkt in die Pfortader zur Leber. Die rechtsseitige Leber betont den venösen Kreislauf (Vena portae). Im Gegensatz zur Milz ist die Leber ein aufbauendes Organ (Gluconeogenese). Leber und Milz mit ihrer roten Pulpa können auch als Blutspeicherorgandienen und somit das Herz- und Kreislaufsystem entlasten. Die Naturheilkunde spricht von der Bauchplethora. Der vasale Stau der Bauchorgane kann sich auf den Blutdruck auswirken. Oder wie Sigolt Wenske sagte: „Denkt bei Blutdruckerkrankungen und großer Krause im Auge immer an die Entstauung des Bauchraums“.