In einem aktuellen Review kommen Ernährungswissenschaftler der Harvard University zu dem Schluss, dass es in Bezug auf Erwachsene keine Belege für einen gesundheitlichen Nutzen des Konsums von Milchprodukten gibt. Kinder profitieren nach Ansicht der Autoren nur dann von einem hohen Milchkonsum, wenn sie in Ländern leben, in denen die generelle Versorgung mit Nahrungsmitteln nicht sicher ist. Obwohl Milch als Kalziumlieferant aufgrund theoretischer Überlegungen immer wieder mit der Stabilität der Knochen in Verbindung gebracht wird, konnten viele Studien diesen Zusammenhang nicht bestätigen. So steigt das Osteoporoserisiko nicht automatisch, wenn auf Milchprodukte verzichtet wird. Die Forscher nehmen sogar an, dass ein hoher Milchkonsum in der Jugend das spätere Frakturrisiko erhöhen könnte. Ebenso wenig fanden die Forscher eindeutige Studienergebnisse, die den vermuteten Nutzen der Milch in der Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen oder Diabetes mellitus bestätigen könnten. Widersprüchlich ist die Datenlage im Hinblick auf die Häufigkeit von Krebserkrankungen. Während Milchkonsum in moderatem Maß unter Umständen zum Schutz vor einem Kolonkarzinom beitragen kann, wird er mit einem erhöhten Risiko für Prostata- und Endometriumkrebs in Verbindung gebracht. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass eine ausreichende Versorgung mit den wertvollen Nährstoffen der Milchprodukte in wohlhabenden Industrieländern auch durch andere Nahrungsmittel gewährleistet ist. Sie halten für Erwachsene maximal zwei Portionen Milch pro Tag für angemessen. Autorin: Sabine Ritter