Lange Jahre galt der Ausspruch „Der Tod liegt im Darm“ als Grundpfeiler einer ursächlich orientierten naturheilkundlichen Behandlung. Nach den heutigen Forschungsergebnissen spielt der Darm immer noch eine entscheidende Rolle im kausalen Denken, aber mindestens ebenso wichtig ist das Bindegewebe bzw. die extrazelluläre Matrix (EZM) als Schlüsselstelle für wesentliche Steuerungs- und Stoffwechselprozesse.

Man könnte fast sagen, in der Matrix werden lebensnotwendige Entscheidungen eingeleitet und umgesetzt. Die Augendiagnose ermöglicht einen Blick auf die konstitutionellen Gegebenheiten des Systems „Bindegewebe“. Als Therapeutin beschäftigt mich in diesem Zusammenhang die Frage, welche praxisrelevanten Erkenntnisse wir auf diese Weise erhalten und wie wir auf dieser Basis eine hilfreiche individuell angepasste Therapie erarbeiten können.

Definition und Bedeutung der extrazellulären Matrix

Mir scheint, als habe der Begriff der Matrix seine Hochphase im Bereich der naturheilkundlichen Forschung schon hinter sich gelassen. Die Fachartikel, die ich dazu bei meinen Internetrecherchen gefunden habe, sind dünn gesät und schon gut 10 Jahre alt. Das finde ich sehr bedauerlich, da sich doch, wie bereits erwähnt, in diesem Bereich ganz wesentliche Prozesse abspielen. Das spiegelt schon die lateinische Wortbedeutung Muttertier bzw. Gebärmutter wider. In der Biologie wird der Begriff der Matrix gedeutet als amorphe Grundsubstanz bzw. als Keimschicht, aus der etwas Neues entstehen kann. In einem Beitrag von Jürgen Paschen (1) wurde die Matrix oder mesenchymale Grundsubstanz mit dem milieukonstanten Urmeer verglichen, in dem sich die Zellen befinden. Auf der Gordon-Konferenz für Proteoglykane wurde ihr sogar der aus der platonischen Philosophie entliehene Begriff „Demiurg“ (Schöpfer, Urheber, Initiator) zugeschrieben (2).