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Naturheilpraxis 08/2022

Die Krux mit dem weiblichen Blutdruck

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Eine kanadische Studie zur Blutdruckmessung bei Frauen ging der Frage nach, ob es bei der konventionellen Messung des systolischen Blutdrucks geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. Dabei fand Yasmine Abbaoui von der Université de Montréal heraus, dass der Manschettendruck am Arm die Systole von Frauen unterschätzt. In einer Querschnittstudie unterzogen sich 145 Frauen und 355 Männer mit einem Durchschnittsalter von 66 Jahren ohne Notfallindikation einer Koronarangiografie. Während des Eingriffs wurde der aortale Blutdruck invasiv bestimmt. Die nicht-invasiv per Armmanschette gemessenen systolischen Blutdruckwerte unterschieden sich im Schnitt für Frauen und Männer nicht. Der Vergleich ergab, dass bei Männern der am Arm gemessene Druck den zentralen systolischen Blutdruck relativ genau wiedergab. Bei Frauen hingegen war dieser Unterschied mit -6,5 mmHg deutlich größer. Der Unterschied ließ sich zu 55 % mit der geringeren Körpergröße von Frauen erklären. „Die Differenz bei den Druckmessungen könnte dazu führen, dass Untertherapie bei Frauen zu selten erkannt wird, und sie könnte auch teilweise erklären, wieso Frauen bei einem gegebenen, mit der Armmanschette gemessenen, Blutdruck ein höheres kardiovaskuläres Risiko tragen“, schlussfolgerte das Team um Abbaoui. Es schlägt vor, den zentralen Druck bei Frauen über einen automatischen, oszillometrisch mit Messungen am Arm arbeitenden Blutdruckmonitor zu ermitteln, der die Form der Pulswelle mit ins Kalkül zieht und dabei den mittleren arteriellen sowie den diastolischen Druck berücksichtigt.

Quelle

ÄrzteZeitung. n.rpv.media/540

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Naturheilpraxis 08/2022

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Erschienen am 02. August 2022