Interview
Naturheilpraxis 12/2019

Die Homöopathie auf dem Prüfstand

Wissenschaftliche Evidenz – zeitgemäß oder unreflektierter Kampfbegriff? Teil 1

Dieses Interview soll zum einen über die Grundlagen der evidenzbasierten Medizin (EBM) informieren, andererseits eine Übersicht bieten und eine differenzierte Bewertung zum Sachstand der medizinischen Evidenz der Homöopathie abgeben. Darüber sprach Andreas Domes, Präsident der Fakom e. V., mit Dr. Friedrich Dellmour, Arzt und Sachverständiger für homöopathische Arzneimittel.

Ein Gespräch mit Dr. Friedrich Dellmour
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Andreas Domes (AD): In der Diskussion um die Erstattungsfähigkeit fällt auf, dass Gegner der Homöopathie argumentieren, es gebe keine Belege, keine Studien und natürlich kein plausibles Erklärungsmodell für die postulierte Wirksamkeit. Herr Dr. Dellmour, Sie sind im wissenschaftlichen Beirat der FAKOM und beschäftigen sich als Sachverständiger für homöopathische Arzneimittel intensiv mit Studien und mit der Homöopathie. Ist Homöopathie wirklich keine evidenzbasierte Methode, weil es kein Wirkmodell und keine kontrollierten Studien gibt?

Dr. Friedrich Dellmour (FD): Wenn man auf die Definition von Sackett – Vater der evidenzbasierten Medizin – zurückgreift, dann ist die Homöopathie auf jeden Fall eine evidenzbasierte Methode. Denn es geht einerseits um die Wünsche des Patienten, andererseits um die Erfahrung des Arztes und um die bestmögliche klinische Evidenz. In allen drei Bereichen weist die Homöopathie eine positive Bilanz auf. Die Integration dieser Bereiche führt zur evidenzbasierten Medizin.

AD: Die evidenzbasierte Medizin darf demnach nicht nur auf Evidenz im Sinne eines wissenschaftlichen Nachweises reduziert werden, wie meist suggeriert wird?

FD: Das Wort Evidenz wird in der Homöopathie-Diskussion oft missverstanden, weil wir dabei an die deutsche Bedeutung von „evident“ denken. In unserem Alltag bedeutet Evidenz, dass etwas augenscheinlich, d. h. sofort eindeutig und klar erkennbar ist, ohne dass man dazu noch einen Beweis benötigt. In der Medizin gilt aber die englische Bedeutung von „evidence“. Das ist ein Beweis im juridischen Sinn, der durch Abwägen und Urteilen gebildet wird, denn medizinische Fragen sind meistens komplex. Die Antworten sind nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Deshalb müssen alle Argumente berücksichtigt und sorgfältig abgewogen werden. Evidenz ist in der Medizin ein empirischer Beleg, der mit Erfahrung beurteilt werden muss.

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Naturheilpraxis 12/2019

Erschienen am 02. Dezember 2019