In der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde (TEN) werden die Gewebe und Organe als Werkzeuge zur Realisierung ihrer spezifischen Funktionen im Interesse des Gesamtorganismus verstanden – stets angepasst an dessen sich permanent verändernde Bedingungen.

Im Unterschied zur konventionellen Medizin, deren Fokus auf den organischen Strukturen liegt, steht in der TEN die Funktionalität im Zentrum der Betrachtung, was meines Erachtens einer der wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden Medizinsystemen ist.
An der funktionellen Dynamik wird die Vitalität erkennbar, nicht in dem bloßen Vorhandensein eines Gewebes. In der Funktionalität unterscheidet sich Totes von Lebendigem, und in der den exo- und endogenen Bedingungen des Gesamtorganismus anzupassenden Funktionalität entscheidet sich, ob der betreffende Mensch gesund oder krank ist. Aber: Keine Vitalfunktion, keine Gewebetätigkeit und deren Regulation läuft automatisch ab. Ingangsetzen und -halten der Funktionalität sind aktive energetische Prozesse, ebenso die hierfür notwendige Regulation.
Das polare Prinzip, für das in der TCM die Begriffe yang und yin stehen, ist auch in der humoralmedizinisch basierten TEN prägend, es werden lediglich andere Begriffe verwendet: Wärme steht für das aktive, nicht-stoffliche, energetische Prinzip, während die Feuchtigkeit Basis alles Materiellen, Struktiven ist. Darüber hinaus repräsentiert die Feuchtigkeit auch die Speicherform der Energie (Reserveenergie). Wärme und Feuchtigkeit treten niemals isoliert voneinander auf, sondern stehen in ständiger Wechselbeziehung zueinander bzw. beeinflussen sich gegenseitig.
In dieser Arbeit liegt der Fokus auf den praxisrelevanten Aspekten der Wärme/Energie. Die „feuchten“ Aspekte werden Thema eines späteren Artikels sein.