Schwerpunkt
Naturheilpraxis 08/2021

Die Darm-Mikrobiota

Mikrobieller Reichtum fördert die Gesundheit

Wir sind nicht allein in unserem Körper. In jedem Menschen leben Billionen von Mikroorganismen – Bakterien, Viren, Pilze und andere lebendige Strukturen, die zusammengefasst als das Mikrobiom bezeichnet werden. Als ganzer sog. "Superorganismus" besteht unser Körper aus mehr mikrobiellen Zellen als menschlichen Zellen.

Ein Beitrag von Justina Dressler
Lesezeit: ca. 7 Minuten
Christoph Burgstedt / shutterstock.com

Lange Zeit galt die Annahme, dass es sogar 10-mal mehr Bakterienzellen gibt. Eine präzisere Schätzung, die auf experimentellen Beobachtungen und Hochrechnungen beruht, kommt aktuell auf ein Verhältnis von 1,3 Bakterienzellen auf 1 menschliche Zelle. Diese Schätzung berücksichtigt jedoch nicht die in verschiedenen Körpermilieus vorhandenen Pilze, Viren, Phagen usw. (1)

Obwohl Mikroorganismen auf allen Organoberflächen vorkommen, richtet die biomedizinische Forschung ihr besonderes Augenmerk auf die Bakterien im Darm (2). Die Darm-Mikrobiota hat mittlerweile den Status eines Schlüsselorgans, das Gesundheit und Krankheit und sogar das psychische Wohlbefinden beeinflusst.

Bereits im Jahr 2011 berichteten kanadische Forscher, dass die Darmflora von Mäusen ihr Verhalten bestimmte. Verpflanzte man einem von Natur aus eher scheuen und zurückhaltenden Mäusestamm die Darmflora eines mutigen und neugierigen Stammes, wurden die schüchternen Nager aktiver und mutiger. Umgekehrt beobachteten die Wissenschaftler, dass Mäuse, die das Darmmikrobiom von scheuen Tieren erhielten, sich plötzlich zurückhaltender verhielten (3).