Schwerpunkt
Naturheilpraxis 01/2023

Die Darm-Haut-Achse bei atopischer Dermatitis

Prävention und Therapie mit Pro- und Prebiotika

Die atopische Dermatitis (AD) ist eine entzündliche, systemische Erkrankung, die sich durch trockene Haut, rezidivierende Erytheme und Juckreiz auszeichnet. Auch wenn bei einigen Kindern die klinischen Symptome mit zunehmendem Alter verschwinden, so besteht bei einem Großteil der Kinder jedoch das Risiko, dass sich eine allergische Rhinitis oder ein allergisches Asthma entwickelt. Das durch den starken Juckreiz ausgelöste Kratzen beeinträchtigt die Hautbarriere und stört dadurch die Immunreaktionen und die mikrobielle Ökologie der Haut. Dies wiederum führt zu weiterem Juckreiz und damit zu einem Teufelskreis.

Ein Beitrag von Dr. Mathias Oldhaver
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Erschreckend ist, dass die Häufigkeit der AD in den letzten Jahrzehnten im Zuge der Industrialisierung und Urbanisierung weltweit zugenommen hat. Mittlerweile sind 15–30 Prozent aller Kinder und 10 Prozent der Erwachsenen betroffen (1). Diese Zunahme belegt, dass die Ursachen der atopischen Dermatitis nur zu einem Teil genetisch bedingt sind. Veränderungen der Umwelt wie z. B. Luftverschmutzungen durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe können ebenfalls Erkrankungen wie atopische Dermatitis verursachen (2).

Mithilfe der Sequenzierungstechnologie konnten mittlerweile viele Zusammenhänge zwischen der Darmmikrobiota und unterschiedlichsten Erkrankungen identifiziert werden. Hierzu gehören auch das allergische Asthma und die atopische Dermatitis (3–6). Der enge Zusammenhang zwischen Darm und Haut liegt darin begründet, dass beide Teil des gesamten Immun- und Hormonsystems sind und mehrere ähnliche Eigenschaften haben (7). Diese betreffen die Schleimhautimmunität und den direkten Kontakt mit Antigenen aus der Umwelt wie Noxen, Bakterien und Krankheitserregern. Auf einen gegenseitigen Einfluss deutet auch der Umstand hin, dass sich bei Darmerkrankungen oft auch Hautläsionen zeigen (8).