Fachforum
Naturheilpraxis 02/2021

Die Bedeutung des Darmmikrobioms für die Gesundheit

Teil 1

Hippokrates war bereits der Auffassung, dass alle Erkrankungen im Darm beginnen. Die heutige Forschung zeigt, dass an dieser Aussage durchaus etwas dran ist. Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms spielt für die Gesundheit des Menschen eine wichtige Rolle. Gerät sie aus dem Gleichgewicht, können Krankheiten die Folge sein, wie diverse aktuelle Studien zeigen.

Ein Beitrag von Heike Lück-Knobloch
Lesezeit: ca. 10 Minuten
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Das Darmmikrobiom, also die Gesamtheit der Mikroorganismen, die den menschlichen Darm besiedeln, besteht aus 1014 Mikroben. Mehrere tausend Arten finden sich im Darm, die zusammen fast 20 Millionen Gene aufweisen. Der Mensch kommt dagegen nur auf circa 20 000 Gene. Bei einem gesunden erwachsenen Menschen besteht dieses Ökosystem hauptsächlich aus Bakterien, von denen bis zu 100 Billionen im Darm leben. Weitere Bewohner sind Archaeen (Urbakterien), Pilze und Viren inklusive Phagen. Die Zusammensetzung ist individuell sehr unterschiedlich und verändert sich ständig.

Funktionen des Darmmikrobioms

Die Darmflora spielt eine entscheidende Rolle bei der Verdauung, beeinflusst den Stoffwechsel und das Immunsystem. Sie bildet eine schützende Barriere für Krankheitsauslöser und produziert kurzkettige Fettsäuren (SCFA), die Vitamine B1, B2, B6, B12 und K, dient der Energiebeschaffung und ist in ihrer Gesamtheit bei Weitem noch nicht vollständig untersucht und verstanden. Das individuelle Mikrobiom hat Studien zufolge unter anderem einen Einfluss auf die Entstehung des metabolischen Syndroms, Depressionen, Stresserkrankungen und Fettleibigkeit (1).