Fachforum
Naturheilpraxis 03/2021

Die Bedeutung des Darmmikrobioms für die Gesundheit

Teil 2

Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms spielt für die Gesundheit des Menschen eine wichtige Rolle. In Teil 1 dieses Beitrags wurden die Funktion des Mikrobioms und verschiedene Faktoren betrachtet, die es beeinflussen können, wie Ernährung und Übergewicht. Im Folgenden werden weitere Einflussfaktoren und Erkrankungen vorgestellt, bei deren Entstehung und Verlauf das Darmmikrobiom eine Rolle spielt.

Ein Beitrag von Heike Lück-Knobloch
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Seit dem Zweiten Weltkrieg haben metabolische, kognitive und Immunerkrankungen wie Adipositas, Diabetes, Allergien, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Autismus dramatisch zugenommen, so ein Team um Professor Dr. Maria Dominguez Bello von der Universität New York im Fachjournal „Science“ (1). Die Wissenschaftler sehen eine Assoziation zwischen den Erkrankungen und dem Verlust der Diversität, der wiederum eng mit der Industrialisierung verknüpft ist. Die Artenvielfalt der Darmmikrobiota südamerikanischer indigener Völker ist zum Beispiel doppelt so groß wie die heutiger gesunder US-Amerikaner. Für manche Experten ist besonders der Rückgang der Artenvielfalt mittlerweile ein begünstigender Faktor für die Ausbreitung zahlreicher Erkrankungen.Werden hilfreiche Arten verdrängt, zum Beispiel solche, die kurzkettige Fettsäuren (SCFA) herstellen, entsteht unter anderem eine entzündliche Kaskade. Hautkrankheiten, kardiologische, Autoimmun- oder psychiatrische Erkrankungen können die Konsequenz sein.

Für den Diversitätsmangel sollen unter anderem chloriertes Trinkwasser, verarbeitete Nahrungsmittel, künstliche Säuglingsnahrung und die medizinische Versorgung in Industrienationen verantwortlich sein. Besonders der häufige Einsatz von Antibiotika postnatal oder im Kindesalter sowie Kaiserschnitte erschweren die natürliche Übertragung der Mikrobiota von der Mutter auf das Kind und verringern die Artenvielfalt, vor allem im kritischen Fenster der frühen Entwicklung. Daher sollte der Einsatz von Antibiotika strenger kontrolliert, die Kaiserschnittrate reduziert, das Stillen gefördert und vor allem die Ernährung verbessert werden (2).