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Naturheilpraxis 12/2020

Der schleichende Ruin

Chronische Fehlernährung bei Männern

Chronische Fehlernährung kann bei Männern zu den verschiedensten Krankheitsbildern führen. Sie reichen von Immunschwäche und Stoffwechselstörungen über Potenzprobleme bis hin zu malignen Erkrankungen.

Ein Beitrag von Margret Rupprecht
Lesezeit: ca. 8 Minuten
Stepanek Photography / shutterstock.com

„Eva griff zum Apfel – Was aber aß Adam? Ein Schnitzel!“ Männer essen anders als Frauen. Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Männer, die allein leben, erheblich mehr Fleisch und Weißmehlprodukte zu sich nehmen als Männer, die mit einer Partnerin zusammenleben. Wenn Frauen kochen, kommen im statistischen Durchschnitt mehr Obst und Gemüse und damit basenreichere Lebensmittel auf den Tisch als in männlichen Singlehaushalten. Überfliegt man in einschlägigen Werken zum Fasten und zur basischen Ernährung die Listen mit den besonders säurebildenden Lebensmitteln, findet sich darunter eine Fülle an Esswaren, die gerade Männer besonders gerne mögen und denen sie auch häufig zusprechen: Fleisch und Wurstwaren, Eier in allen Zubereitungsformen, Nudeln, Pizza, Pommes, Kuchen, Kaffee, Alkohol und Süßigkeiten. Viele dieser Lebensmittel sind hochkalorisch und eiweißreich; beides kommt zwei typischen Bedürfnissen des männlichen Stoffwechsels entgegen: Zum einen dem höheren Kalorienbedarf im Vergleich zu Frauen und zum anderen der Notwendigkeit, ihre umfangreichere Muskelmasse durch eiweißreiche Nahrung regenerieren zu können. Weitere Säurebildner, die nicht mit Ernährung, sondern mit dem privaten und beruflichen Lebensstil zu tun haben, sind Stress, Bewegungsmangel, zu wenig Schlaf, unterdrückter Ärger – vor allem im Job – und ein übertriebenes Kraft- und Ausdauertraining. Dann gehen Vitamin- und Mineralstoffdepots kräftig in die Defizitzone. Stoffwechselprozesse geraten ins Stocken und pathogenetische Reihen entstehen, an deren Ende Infektanfälligkeit, ein metabolisches Syndrom, Potenzstörungen oder sogar maligne Erkrankungen stehen können. Alle Organe, auch die des Immunsystems, ferner der Bewegungsapparat, die Haut und Schleimhäute entwickeln auf der Zellebene schwere Funktionsstörungen. Und zwar umso stärker, je länger die chronische Fehlernährung andauert. Die Folgen einer jahre- und oftmals jahrzehntelangen Säureüberlastung lassen sich deshalb am besten über drei Schienen behandeln: Regeneration und Revitalisierung der säuregeschädigten Zellen, Auffüllen der unterversorgten Vitamin- und Mineralstoffdepots sowie eine langfristige Umstellung auf eine zwar durchaus nicht eiweißarme, in der Summe aber basenreiche Ernährung.

Wohin eine über Jahre andauernde säureüberschüssige Ernährung führen kann, habe ich am eindrücklichsten an einem Patienten erlebt, der aus einer alteingesessenen oberbayerischen Metzger- und Schlachterfamilie stammt, in der eine Mahlzeit ohne Fleisch nicht als vollwertiges Essen galt. Schon als Jugendliche hörten er und seine Geschwister von der Mutter oft den Satz: „Kinder, esst Fleisch, Brot müssen wir bezahlen!“ Das war zwar ein wenig scherzhaft gemeint, hatte aber durchaus einen ernsten Kern. Die dominante Rolle von Fleisch in der Ernährung dieser Familie führte sogar dazu, dass der zweijährige Sohn des Patienten beim Mittagessen grundsätzlich erst die kleingeschnittenen Fleischstückchen verzehrte und dann den Teller zurückschob mit den Worten „Teller leer!“, wie mir der Vater – voller Stolz auf die Metzgergene seines Sprösslings – erzählte. Kartoffeln und Gemüse waren in der Wahrnehmung des Kindes offensichtlich kein ernstzunehmendes Essen. Der Patient selbst, damals Anfang vierzig und zu allem Übel auch noch Weinliebhaber mit entsprechender Histaminose, brachte mehr als vierzig Kilogramm Übergewicht auf die Waage und hatte trotz seiner relativen Jugend bereits eine mittlere Hypertonie von mehr als 160/100 mmHg sowie ein ständig krebsrotes Gesicht. Er war überdies kurzatmig und zeigte im Röntgenbild erste arthrotische Veränderungen im Bereich der Sprunggelenke, die gelegentlich zu Anlaufschmerzen führten. Bei der Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader durch den Hausarzt und einer Untersuchung des Augenhintergrunds durch den Augenarzt wurden arteriosklerotische Ablagerungen festgestellt. Irisdiagnostisch zeigte sich ein Fettbogen, der mit den bereits seit Jahren zu hohen Cholesterin- und Triglyzeridspiegeln korrelierte. Es brauchte mehr als ein Jahr und etliche aufklärende therapeutische Gespräche, die dem Patienten die Zusammenhänge zwischen seiner Ernährungsweise und seinen gesundheitlichen Störungen ausführlich erläuterten, bis eine Gewichtsabnahme von mehr als 25 Kilogramm erreicht, der Blutdruck in den Bereich des sogenannten hoch-normalen Blutdrucks unter 139/89 mmHG gesunken war und sich dank weiterer therapeutischer Maßnahmen auch die arthrotischen Beschwerden besserten.

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Naturheilpraxis 12/2020

Erschienen am 01. Dezember 2020