Fachforum
Naturheilpraxis 04/2019

Der Atem: Möglichkeiten in Therapie und Prävention

Die Leberatmung – Loslösung, Sammlung und Tiefe

Der Atem steht sowohl mit dem Körper als auch mit der Psyche in engster Verbindung. Ein Befreien und Entwickeln des heute fast immer beladenen Atems durch die Atem- und Körperübungen eröffnet vielfältige und auch tief greifende Möglichkeiten und Perspektiven der Therapie. Nach der Nieren- und Herzatmung widmen wir uns in diesem Artikel nun der Leberatmung.

Ein Beitrag von Brigitte Kachel und Dr. med. Günter Weis
Lesezeit: ca. 9 Minuten

Das therapeutisch Wertvolle des Atems ist sein Wirken sowohl auf den Körper wie auch auf die Psyche und im weiteren Sinne sogar auf die Seele. Das Besondere an den hier vorgestellten Atemübungen ist, dass diese weniger die Krankheit in die Mitte stellen als vielmehr den Menschen mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Konkret stehen uns dafür die vier Grundformen des freien Atems zur Verfügung. Heinz Grill hat sie im Hinblick auf die Entwicklungsmöglichkeiten des Menschen in jahrzehntelanger Forschungsarbeit entwickelt und auch für die Anwendung in der therapeutischen Praxis ausgearbeitet (1, 2). Diese vier Grundformen des freien Atems beschreiben anhand zahlreicher Atem-, Körper- und Yogaübungen bildhaft das Ideal eines gesunden freien Atems, in Bezug zu einem gesunden Körper und auch einer gesunden Psyche.

Am Beispiel der hier vorgestellten Leberatmung fließt der Atem im Idealfall gelöst und weich in die Tiefe der Bauchregion und unterstützt wirkungsvoll die Bauchorgane, insbesondere die Leber. Diese Atmung wird auch Tiefenatmung genannt, und sie ist durch nur mechanisches Üben nicht zu erreichen. Sie benötigt auch eine Aktivität im Bewusstsein. Eine freie Tiefenatmung entsteht z. B. dann, wenn der Mensch die Fähigkeit besitzt, seinen zu forcierten Willen (Überintention, zwanghaftes Erreichenwollen etc.) zurückzunehmen, um aus einer ruhigen Übersicht mit einer klaren Vorstellung heraus aktiv zu werden. Dieses Loslassen und Aktivwerden befreit den Atem und lässt ihn von selbst weich in die Tiefe gleiten. Dadurch nimmt der Mensch seine tiefe Bauchregion wahr und erlebt darin eine beruhigende und gleichzeitig stabilisierende Sammlung. In den Übungen wird dies konkret erlebt und entwickelt.