Die angewandte Kinesiologie ist ein ganzheitliches Diagnose- und Therapieverfahren, um körperliche und geistig-seelische Blockaden aufzuspüren und aufzulösen. Sie stammt aus dem Bereich der Chiropraktik und Körpertherapie und basiert auf der von Dr. George Joseph Goodheart in den 60er-Jahren entwickelten Methode der „Applied Kinesiology“. Da die Muskelspannung eine Rückmeldung über den funktionellen Zustand des Körpers gibt, können Muskeltests als manuelles Feedbacksystem genutzt werden. Eine der vielfältigen Testmöglichkeiten ist der Armlängenreflextest (ALR).

Sabina Neumayr ist Heilpraktikerin und Dozentin am Zentrum für Naturheilkunde in München. Mit Vorträgen und Kursen bringt Sie dort Heilpraktikern den Armlängenreflextest als Testmethode für den Praxisalltag näher

Liebe Frau Neumayr, was ist der Armlängenreflextest?

Der Armlängenreflextest ist eine holistische, diagnostische Methode, bei der mit einem Körperreflex gearbeitet wird, um die Reaktion des Organismus auf unterschiedliche Reize zu beurteilen. Er wird innerhalb verschiedener Testverfahren angewandt, z. B. im Rahmen der „Applied Kinesiology“, in „Touch for Health“ und in der „Physioenergetik“. Innerhalb der Physioenergetik wurde er unter Einbeziehung der Erkenntnisse aus der Aurikulomedizin nach Dr. Nogier und der Elektroakupunktur nach Dr. Voll weiter ausgebaut. Interessanterweise erzählte mir ein südindischer Patient, dass er die Methode schon seit seiner Kindheit kenne – von seiner Großmutter, die eine Heilerin gewesen sei. Sie habe diese Methode im Rahmen der Unani-Medizin angewendet, welches ein vor allem in Indien, Pakistan und Afghanistan praktiziertes Heilverfahren ist. Wie alle östlichen Traditionen baut die Anwendung des Armreflextests auf einer ganzheitlichen, holistischen Denkweise auf, die Körper, Seele und Geist als Einheit sieht. Man geht dabei davon aus, dass es Möglichkeiten gibt, direkt über die Körperreaktionen in einen Dialog zu treten – in diesem Fall in einen diagnostischen Dialog zwischen Patient und Therapeut. Manche bezeichnen das als „Biofeedbackmethode ohne Gerät“. Durch den Armlängenreflextest ist es möglich, energetische Dysbalancen im Körper festzustellen, noch vor einer körperlichen Manifestation. Dabei geht es darum, die vielfältigen Ursachen und Zusammenhänge einer Störung zu finden. Zunächst gilt es herauszufinden, ob das Ungleichgewicht zum Zeitpunkt der Testung behandlungsbedürftig ist, also Priorität hat, oder ob einer anderen Thematik innerhalb der Kausalkette der Symptomentwicklung Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Hierbei geht man davon aus, dass eine Krankheit beziehungsweise ein Symptom aus einer gewissen zeitlichen Aneinanderreihung oder Abfolge von Faktoren entsteht. Das bedeutet, es gibt ein bestimmtes Muster, in dem sich eine Pathologie entwickelt hat. Des Weiteren ist zu eruieren, ob das Beschwerdebild auf struktureller, biochemischer, psychologisch-mentaler oder rein energetischer Ebene verursacht ist, beziehungsweise über die Steuerungssysteme des Körpers vermittelt an Körperbereichen, die vom Ort der Symptomatik verschieden sind. Durch diese differenzierte Diagnostik wird die Behandlung zielgenauer und dadurch auch schneller und wirkungsvoller.Ein System reagiert meist nicht allein, sondern es kommt zu einer wechselseitigen Beeinflussung. Physischer Stress beeinflusst unseren Stoffwechsel. Stoffwechselstörungen oder biochemische Einflüsse sammeln langsam Toxine an, die körperliche oder seelisch-geistige Symptome auslösen können. Auch emotional-geistige Unausgewogenheit kann Symptome verursachen. Daher ist es im ganzheitlichen Sinne wenig sinnvoll, nur einen Bereich zu behandeln, ohne die anderen einzubeziehen. Mithilfe des Armlängenreflextestes können diese Wechselwirkungen erkannt werden. Dabei geht man davon aus, dass die Körper-Seele-Geist-Einheit ihre eigene Thematik sowie ihre Lösungen unbewusst bereits kennt und der Therapeut sie lediglich dabei unterstützt, diese bewusst wahrzunehmen und ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren.