Fachforum
Naturheilpraxis 02/2020

Der ältere Mensch in der Medizin

Teil 1: Der Alterungsprozess aus Sicht der westlichen Wissenschaft

Im Prinzip möchten wir alle gern alt werden, aber dabei möglichst nicht altern. Insbesondere die Menschen in westlichen Kulturen definieren ihren gesellschaftlichen Status sehr stark über ein jüngeres Aussehen. Das ist in den chinesischen Traditionen anders. Hier haben u. a. Altersreife und Lebenserfahrung einen höheren Stellenwert. Die TCM kennt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, gesund und mit Würde zu altern.

Ein Beitrag von Dr. rer. nat. Martina Bögel-Witt
Lesezeit: ca. 5 Minuten
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Ein alter volkstümlicher Spruch über die Lebensalter lautet: „10 Jahr ein Kind, 20 Jahr ein Jüngling, 30 Jahr ein Mann, 40 Jahr wohlgetan, 50 Jahr geht auch noch an, 60 Jahr geht ’s Alter an, 70 Jahr ein Greis, 80 Jahr schneeweiß, 90 Jahr der Kinder Spott, 100 Jahr Gnad vor Gott.“

Dieser Sinnspruch ist voraussichtlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden, zu einer Zeit, in der das Durchschnittsalter für Männer 35 und für Frauen 38 Jahre betrug. Es war also wenigen Menschen vergönnt, 100 Jahre alt zu werden. Für das Jahr 2020 lautet die Prognose des durchschnittlichen Lebensalters eines Deutschen für Männer 79,1 und für Frauen 84,1 Jahre. Die Populationspyramide hat sich 2019 bereits deutlich geändert. Der Anteil der Männer ab 50 Jahren beträgt in Deutschland bereits 22 % und der für Frauen 24,3 %. Nahezu jede/r möchte gern alt werden, aber nicht alt erscheinen, geschweige denn sich alt fühlen. Hieraus hat sich ein eigene Wissenschaft entwickelt, die sich mit dem Alterungsprozess beschäftigt.

Altern nach Erkenntnissen der westlichen Wissenschaft

Nach den heutigen Erkenntnissen handelt es sich beim Alterungsprozess um ein multifaktorielles Geschehen, bei dem das Geschlecht, die Genetik und zu einem großen Anteil auch die Lebensweise eine große Rolle spielen (1).

Menschen bekommen im Zuge des Alterungsprozesses nicht nur Falten, sondern sie altern auch „funktionell“. So lässt z. B. die körperliche Leistungsfähigkeit sukzessiv ab. Hiervon sind u. a. das Muskel- und Skelettsystem betroffen. Zwischen dem 20. und 80. Lebensjahr kommt es zu einer Verringerung der Muskelkraft um 35 bis 40 %. Dabei spielen Fehl- und Unterernährung, Bewegungsmangel und Immobilität eine große Rolle. Die Ursache liegt vor allem im Verlust der Muskelmasse von etwa 30 % zwischen dem 30. und 80. Lebensjahr. Insgesamt kommt es zu einem Verlust der Elastizität, Dehnbarkeit, Reißfestigkeit und Gleitfähigkeit von Muskeln, Bändern und Sehnen. Der durchschnittliche Kraftverlust liegt bis zum 50. Lebensjahr bei etwa 15 % und ab dem 70. Lebensjahr bei 30 % pro Lebensjahrzehnt (2). Hierbei vermindert sich auch die Muskeldichte, und der inter- und intramuskuläre Fettanteil steigt. Frauen sind stärker betroffen als Männer. Für den kontinuierlichen Muskelabbau wird die Degeneration des Nervensystems und der damit einhergehende Verlust der Motoneurone verantwortlich gemacht (3). Diese neuronale Degeneration wirkt sich auf die motorischen Einheiten der jeweils gekoppelten Muskelfasern aus. Allerdings altern die einzelnen Organe des Organismus unterschiedlich schnell. Hierbei spielen interne und externe Faktoren eine Rolle, die sowohl positiven als auch negativen Einfluss nehmen können.

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Naturheilpraxis 02/2020

Erschienen am 03. Februar 2020