Fachforum
Naturheilpraxis 03/2020

Der ältere Mensch in der Medizin

Teil 2: Lebensqualität im Alter aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin

In der TCM gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Lebensqualität auch im Alter aufrecht zu erhalten. Ausreichend Bewegung, Annahme der Lebensrhythmen und eine Esskultur, die nicht nur ernährt, sondern die Gesundheit individuell fördert, sind dabei wichtige Säulen. Das östliche Wissen und die Erkenntnisse moderner westlicher Forschung lassen sich gut miteinander kombinieren und liefern sehr schöne Therapiekonzepte für die Unterstützung des geriatrischen Patienten.

Ein Beitrag von Dr. rer. nat. Martina Bögel-Witt
Lesezeit: ca. 8 Minuten
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Das Lebensrad in der chinesischen Kultur und TCM

Im alten China gewann man frühe Vorstellungen und Erkenntnisse über den Menschen durch genaue Beobachtung der Naturphänomene. So wie die Natur den Jahreszeiten unterlag, so geschah es auch mit dem Menschen. Im Kapitel 1 des Su Wen (1), des berühmten chinesischen Klassikers, der wahrscheinlich zwischen dem 1. oder 2. Jahrhundert vor bis nach Chr. entstand, werden diese Lebenszyklen des Menschen beschrieben. Damals herrschte bereits die Vorstellung, dass Lebewesen ausschließlich Naturgesetzen und nicht den Göttern oder Geistern unterliegen. Man war außerdem der Auffassung, dass der gesundheitliche Zustand des Individuums vom Jing abhing, der Lebensessenz. Mit dem Jing, dem Erbe unserer Eltern, sollten wir das ganze Leben hindurch haushalten, da es sich im Laufe des Lebens nach und nach verbrauchte. Für die Frau wurden 7-jährige Lebenszyklen angenommen, für den Mann 8-jährige. Nach der traditionellen chinesischen Medizin macht sich der Alterungsprozess zu Beginn des 6. Zyklus bemerkbar. Bei der Frau werden erste Alterszeichen, z. B. Falten, ab 42 Jahren erkennbar, beim Mann ab 48 Jahren. Im darauffolgenden 7. Zyklus lässt die Essenz (Jing) nach. Die Wandeljahre beginnen, die auch als zweites Leben angesehen werden können.

In China wird seit Beginn der Aufzeichnungen zur traditionellen chinesischen Medizin (TCM) die Gesundheit bzw. Langlebigkeit kultiviert und dafür ein ganz bestimmter Begriff verwendet: Yang Sheng. Yang steht für nähren und Sheng für Leben oder Vitalität. Die Zielsetzung von Yang Sheng ist eine andere als im westlichen Sinn, bei dem es üblicherweise darum geht, ein möglichst jugendliches Aussehen und körperliche Fitness zu erreichen. Yang Sheng ist inspiriert von der Idee der nahtlosen Integration von Geist und Körper, der körperlichen und mentalen Balance, aber auch der Gelassenheit und einer Abkehr von exzessiven Emotionen und vom übermäßigen Ego.

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Naturheilpraxis 03/2020

Erschienen am 02. März 2020