Uropathogene E.-coli-Bakterien sind nicht nur für akute Zystitiden verantwortlich, sondern auch für regelmäßige Rezidive. Denn sie können im Urothel ein Reservoir aus inaktiven Bakterien bilden, das vor Antibiotika und dem Immunsystem geschützt ist. Setzt der Vaginalkeim Gardnerella vaginalis die dormanten Bakterien frei, kommt es zum Rezidiv. Deshalb weist eine moderne Zystitis-Diagnostik außer den aktiven auch inaktive E.-coli-Bakterien und Gardnerella vaginalis im Urin nach. Eine gezielte Therapie kann daraufhin den Teufelskreis der rezidivierenden Zystitiden durchbrechen, wie der dargestellte Patientenfall zeigt.

Jede zweite Frau hat mindestens einmal in ihrem Leben eine Blasenentzündung. Davon wiederum erleidet jede vierte Frau innerhalb eines halben Jahres ein Rezidiv. Weltweit sind etwa 70 Millionen Frauen – ein Prozent der Weltbevölkerung – von wiederkehrenden Zystitiden betroffen, die häufig nach dem Geschlechtsverkehr auftreten.

Nach den Wechseljahren ändert sich durch die verminderte Östrogenproduktion die bakterielle Gemeinschaft in der Vagina. Zusätzlich führt der geringere Hormonspiegel nicht nur zur Schleimhaut-Atrophie in der Scheide, sondern auch in der Harnröhre. Dann können vaginale Keime einfacher bis in die Blase vordringen, und das Risiko für eine Zystitis steigt nochmals.