Fachforum
Naturheilpraxis 09/2019

Delegation von Leistungen eines Heilpraktikers

Rechtliche Bewertung unterschiedlicher Szenarien

Auch die Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung ist an rechtliche Regeln gebunden. Die wichtigsten Gesetze sind uns Heilpraktikern in der Regel bekannt, aber es gibt durchaus Aspekte und Paragrafenwinkel, die gern übersehen werden, obwohl eine entsprechende Rechtsverletzung, z. B. im Rahmen der Delegation heilkundlicher Tätigkeiten an Assistenten, erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Ein Beitrag von Frank Scheuchl, Michael Dligatch und Simone Rösing
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Alexander Kirch/shutterstock.com

Junge Absolventen von Heilpraktiker-Ausbildungsgängen, aber auch z. B. Absolventen eines Bachelor-Studiums der Osteopathie (beide in der Folge HPA für Heilpraktiker-Anwärter genannt), werden erst mit 25 Jahren zur Heilpraktiker-Überprüfung zugelassen. Einerseits müssen die zu jungen HPA nun die Zeit überbrücken, andererseits möchten viele am liebsten sofort in ihrem angestrebten Beruf arbeiten, was oft genug auch eine finanzielle Notwendigkeit ist. In einigen Praxen haben sich aus dieser Situation heraus Beschäftigungsmodelle entwickelt, die an dieser Stelle einer kritischen Würdigung unterzogen werden sollen. Betrachtet werden Szenarien, bei denen ein Heilpraktiker (HP) einen HPA beschäftigt und der HPA die Behandlungen und Methoden beherrschen soll, die ihm delegiert werden.

Modell 1: Praktikum

Ein HP bietet einen Praktikumsplatz an, der HPA ist bei Behandlungen lediglich anwesend. Er folgt dem HP als „Schatten“, ohne selbst jemals Hand an einen Patienten zu legen. Des Weiteren lernt er die organisatorischen Abläufe der Praxis kennen, erledigt etwa Telefonate, vereinbart Termine und schreibt vielleicht sogar Rechnungen.

Rechtliche Bewertung: Das Vorgehen ist prinzipiell in Ordnung; wenn es ein unbezahltes Praktikum ist (Hospitation), kann das unkompliziert gestaltet werden, das heißt, ein schriftlicher Vertrag ist möglich, aber nicht nötig. Es liegt hier von der Schriftform unberührt ein Praktikumsvertrag vor, der HP ist verpflichtet, dem Praktikanten Wissen zu vermitteln und ihn mit den Abläufen in einer Praxis vertraut zu machen. Der HPA ist verpflichtet, den Weisungen des HP Folge zu leisten. Wichtig ist es, den Praktikanten über seine Verschwiegenheitspflicht aufzuklären und sich das schriftlich (!) bestätigen zu lassen. Hinsichtlich der Haftpflichtversicherung ist abzuklären, ob sich diese auch auf Praktikanten erstreckt – falls das nicht der Fall ist, wäre eine Anpassung erforderlich. Letzteres sollte unbedingt für den Fall gemacht werden, dass der Praktikant im Lauf der Tätigkeit selbst am Patienten tätig wird.

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Naturheilpraxis 09/2019

Erschienen am 02. September 2019