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Naturheilpraxis 05/2022

Das Reizdarmsyndrom – Diagnostik und naturheilkundliche Behandlung, Teil 2

In der Märzausgabe (03/2022) habe ich über Ursachen und Diagnosemöglichkeiten eines Reizdarmsyndroms (RDS) berichtet. Im zweiten Teil dieses Beitrags geht es um die neuronale Steuerung der Darmfunktion, was diese mit dem Gehirn zu tun hat und mit welchen therapeutischen Ansätzen eine aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora langfristig verbessert werden kann.

Ein Beitrag von Sigrid Selzer
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Vor etwa 20 Jahren lieferte die medizinische Forschung neben den Zusammenhängen des Darm-Mikrobioms auch neue Ergebnisse über die neuronale Steuerung der Darmfunktion. Untersuchungen zeigten neben einer viszeralen Hyperalgesie bei RDS-Patienten eine erhöhte motorische Aktivität durch psychosozialen Stress bzw. Stress im Umgang mit der Erkrankung. Dies hängt mit dem Serotonin-Stoffwechsel im Darm zusammen.

Nervensystem und Verdauung

Um die Zusammenhänge zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass das sogenannte enterische Nervensystem, ein autonomes, komplexes Nervengeflecht (Bauchhirn) im Verdauungstrakt, aus etwa 100 Millionen Neuronen besteht. Der Plexus myentericus (Auerbach-Plexus) in der Muskulatur des Darms und der Plexus submucosus (Meissner-Plexus) in der Submukosa sowie kleinere Plexus übernehmen die Steuerung und Regulierung der Darmmotilität, die Sekretion und Absorption sowie die gastrointestinale Durchblutung. Nachts finden wenig Verdauungsaktivitäten statt und die Ruhe wird zur Neusortierung von Nervenverbindungen und -regeneration genutzt. Der Vagus oder Parasympathikus erhöht die Motilität und die Sekretion, während der Sympathikus die Motilität und die Sekretion vermindert. Nebenbei sei erwähnt, dass im Darm Immunglobuline, Enzyme, Hormone und Neurotransmitter gebildet werden und zu etwa 80 % an der Bildung des Immunsystems beteiligt ist. Beim Reizdarmsyndrom spielt das Serotonin eine wichtige Rolle, das aus Tryptophan synthetisiert und aus dem schließlich das Melatonin gebildet wird. Zu Serotonin und Darm gibt es zahlreiche Studien. Das Hormon Melatonin wird nicht nur in Zirbeldrüse, sondern auch in bestimmten Bereichen des Dünndarms gebildet. Erstaunlich ist, dass Lichtsensoren bis zum Epithel der Haut führen. Der Darm „sieht“ also gewissermaßen ohne Augen. Wenn nachts das Melatonin am höchsten ist, blockiert es die Verdauungsenzyme und die Verdauung wird auf Sparflamme heruntergefahren.

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Naturheilpraxis 05/2022

Aktuelle Ausgabe
Erschienen am 03. Mai 2022