Schwerpunkt
Naturheilpraxis 07/2019

Das Infraspinatus-Syndrom

Triggerpunktblockade oder Prolaps? Befundung und Therapie mit Ortho-Bionomy

Kribbeln in der Hand oder Ameisenlaufen in den Fingern deuten i. d. R. auf einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule hin. Aber auch Triggerpunkte innerhalb der Schultermuskulatur lösen häufig ähnliche Symptome aus. Mit der Ortho-Bionomy kann das entsprechende Gewebe befundet und behandelt werden — individuell, ressourcenorientiert und empathisch.

Ein Beitrag von Andreas Korn
Lesezeit: ca. 10 Minuten

Der Bau des menschlichen Körpers ist ein Kompromiss zwischen Flexibilität und Stabilität. Die Knochen als stabilste Struktur können den Körper nur aufrecht halten und ihn bewegen, weil sie durch starke Bänder und Muskeln zusammengehalten werden. Stabilisierende Faszienbahnen durchziehen den Körper in verschiedenen Ebenen von kaudal nach kranial aber auch diagonal (1). Diese Verspannungen der skelettalen Anteile mit flexiblen Elementen ermöglicht eine Leichtbauweise, die Belastungen auf viele Strukturen verteilt. Der Nachteil davon ist, dass sich die Folgen von Traumen, Fehlhaltungen, Überlastungen sowie Bewegungsmangel ebenfalls auf andere Bereiche übertragen. Selbst kleine Beeinträchtigungen beeinflussen häufig die Körperstatik, sodass an anderen Stellen ernsthafte Probleme im Bewegungsapparat auftreten können. Schmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit sind ein physiologischer Schutzmechanismus, der weitere Schädigungen der traumatisierten Bereiche verhindern soll, um den Heilungsprozess zu ermöglichen.

Sitzen, der ständige Blick aufs Handy, mangelnde Bewegung oder manuelle Arbeit vor dem Körper belasten unsere Strukturen in einer Weise, für die sie nicht gemacht sind. Die Haltemuskulatur, die unseren aufrechten Stand ermöglicht, muss den Körper ständig im Lot balancieren. Dazu ist jedoch für Ausdauer keine große Kraft erforderlich. Da sie deshalb nur schwer ermüdbar ist, kann sie schlecht trainiert werden. Wenn diese Muskeln durch Kompensationsmechanismen gezwungen werden, die Arbeit von überlasteten Muskeln zu übernehmen, oder nach Traumen oder Fehlhaltungen eine Kraft entfalten müssen, für die sie nicht entwickelt sind, führt das häufig zu einem erhöhten Muskeltonus und zu einer Dauerkontraktion. Hartspann, Myogelosen, Triggerpunkte und die Unfähigkeit zur Entspannung sind mögliche Folgen. Der erhöhte Muskeltonus komprimiert die Blutgefäße. Er vermindert die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung, sowie den Abtransport von Stoffwechselendprodukten, woraufhin sie sich in den Zellen und der Matrix ansammeln. Um das Kräftegleichgewicht zu erhalten, ist der antagonistische Muskel ebenfalls gezwungen, seinen Tonus zu erhöhen. Dadurch geraten zugehörige Gelenke unter Druck und die Diffusion von Nährstoffen ins Gelenk wird erschwert. Häufig treten dann Schmerzen und zunehmende Bewegungsunfähigkeiten auf, welche die Trophik der beteiligten Muskulatur weiter vermindern. Unter diesen Bedingungen können sich im Muskel kleine Bereiche bilden, die durch Sauerstoff- und Nährstoffmangel übersäuert und dekontraktionsunfähig wurden — die sogenannten Triggerpunkte. Sie sind in der Regel nicht akut schmerzhaft, jedoch druckdolent. Aktive Punkte zeigen ein spezifisches Schmerz- und Symptombild auch an anderen Stellen des Körpers. Das führt zu einem veränderten Körperbewusstsein und schränkt die Beweglichkeit ein. Bleibt dieser Zustand länger bestehen, wird er im Gehirn als normal abgespeichert. Der Körper ist dann von einer sensomotorischen Amnesie befallen (2) — er ist „verwirrt“ und hat sein ursprüngliches Bewegungsprogramm vergessen. Stress befördert und erhält diesen Vorgang. Das Ziel der Therapie muss deshalb sein, die ursprüngliche Bewegungsfähigkeit (Evolvement of the original concept nach A. Pauls) wiederherzustellen. Dies kann gelingen, wenn die individuellen Möglichkeiten der Patienten berücksichtigt werden.

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Naturheilpraxis 07/2019

Erschienen am 01. Juli 2019