In meinem letzten Artikel in Naturheilpraxis 2/2019 wurde mit der „physiologischen Wärme“ das energetische Prinzip und seine Darstellung in der Irisdiagnostik behandelt. In dieser Arbeit stehen die humorale Qualität der Feuchtigkeit sowie ihr Gegenpol Trockenheit im Fokus.

Die Feuchtigkeit entspricht in der Humoralmedizin dem Yin-Prinzip der taoistischen Medizin: Einerseits ist sie der Ursprung jeder Materie, aus der die organischen Strukturen des Menschen entstehen und sich regenerieren. Andererseits repräsentiert sie auch die Speicherform der Energie, die potenzielle Energie.

Die untrennbare Dualität von Wärme und Feuchtigkeit hat ihre moderne Analogie in der Computertechnologie: Software und Hardware. Nur aus ihrer Interaktion ergibt sich die Funktions- und Leistungsfähigkeit des Computersystems – vorausgesetzt, die dafür notwendige Energie steht zur Verfügung. Übertragen auf einen lebendigen Organismus, sind die Gewebe und die daraus aufgebauten Organe die Hardware, die durch Energie und das regulative „Software-Prinzip“ zum Leben erweckt wird, was in der jeweils spezifischen Funktionalität zum Ausdruck kommt. Die „physiologische Wärme“ repräsentiert sowohl die Energie als auch die regulativen Aspekte. Wärme und Feuchtigkeit sind niemals isoliert voneinander zu sehen. Sie stehen in ständiger, untrennbarer Interaktion. Die definierte Relation zwischen Wärme- und Feuchtigkeitsprinzip, bzw. deren Gegensätze Kälte und Trockenheit, ist in der heutigen Humoralmedizin das, was man als Kardinalsäfte bezeichnet. In der Thematik dieser Arbeit steht v. a. der Kardinalsaft Phlegma mit seinen kalten und feuchten Qualitäten im Zentrum der Betrachtung.